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Michael Blum
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Vertreibung aus dem Paradies , 2000

Acryl auf Papier, 23 kar. Blattvergoldung, 50 x 60 cm, © Michael Blum
 
Vertrieben

Mit den wenigen Strichen und Farben erscheint dieses Bild sehr karg. Der Hintergrund ein schlichtes, an die Wüste erinnerndes Beige. Nichts ist ganz dargestellt, es wirkt vielmehr als wäre etwas auseinandergerissen worden ...

Im oberen Teil des Bildes – am Flügel erkennbar - ein Engel mit machtvollem Gehabe. Seine linke Hand hoch erhoben, Halt gebietend. Mit der Rechten weist er den Weg – aus dem Bild. Diese Geste wird durch den Flügel des Engels verstärkt.

Neben den Händen und dem Flügel ist vom Engel nur das Gesicht zu sehen. Es scheint wie aus einem Fenster herauszuschauen, rechts von den Locken seines Haares umgeben, links vom Gold eines angedeuteten Heiligenscheines. Er bleibt in der Welt, aus der die beiden Menschen, von denen im unteren Teil des Bildes die Köpfe zu sehen sind, vertrieben werden.

Mann und Frau sind es, die fortan von einer dunklen Wolke der Sünde, der Unehrlichkeit und des Misstrauens von Gott getrennt leben müssen (vgl. Gen 3). Es scheint fast so, als ob dieses Dunkle und Böse Hörner hat und auch damit die beiden verfolgt. – Die Erbsünde? Das schlechte Gewissen? – Die Schamröte steht Adam und Eva im Gesicht. Sie sind mit einem roten Zeichen versehen von nun an „Gezeichnete“, Ausge- stoßene.

Sie werden links aus dem „Bild“ gejagt, ein weiterer Pfeil, der durch ein vergoldetes Viereck geht, verstärkt dies. Pfeil und Viereck kommen mir wie ein Bild im Bild vor, durch das im Kleinen das im Großen Dargestellte intensiviert wird. Wenn das Viereck ein Symbol für einen Tabernakel ist, dann könnte dieser Bildteil uns sagen, dass Adam und Eva mit der Vertreibung aus dem Paradies aus dem Allerheiligsten ausgestoßen worden sind.

Das Auge Gottes rechts oben neben dem „lodernden Flammenschwert“ würde das bestätigen. Mit dem Schwarz des Bösen bilden die Flammen eine senkrechte Mauer, welche Adam und Eva vom Paradies und vom „Weg zum Baum des Lebens“ trennt, die in der Sprache des Künstlers klar in der rechten Bildhälfte angesiedelt werden.

Vertrieben auf alle Zeiten?

Die Gliederung des Bildes lässt bei längerem Betrachten fast unmerklich ein das ganze Bild überspannendes Kreuz aufleuchten, dessen Mitte ein grünlich-blaues Quadrat bildet. Im Kreuz seines Sohnes hat Gott allen Verlorenen Hoffnung geschenkt, den Sündern Vergebung, den Toten ewiges Leben und den Vertriebenen neue Heimat. Die Vertreibung aus dem Paradies soll in der Barmherzigkeit Gottes nicht ewig dauern.

Patrik Scherrer / 10.07.2004


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