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Robert Weber
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Ankunft
2005

Siebdruck und Blattmetall auf Papier, 140 cm x 100 cm
© Robert Weber

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Ankunft

Auf einer Ankunftsübersicht der Deutschen Bahn (12.6. – 10.12.2005, Berlin?) sind einerseits ein aus einem Lexikon herausgeschnittener Text zum Stichwort „Advent“, andererseits ein in einem Rot-Ton gehaltenes Christusbild angeordnet. Das eine oben, das andere unten, sind sie beide seitlich aus der Mittelachse geschoben. Vom Hintergrund zum Vordergrund, von Zahlen und Namen ausgehend konzentriert sich das Bildgeschehen über das Text-Wort im farblich hervorgehobenen Druck einer russischen Christus Immanuel Ikone vom Ende des 17. Jahrhundert.

Die Übersicht der Zug-Ankunftszeiten lässt an das geschäftige Treiben in einem großen Bahnhof denken, wo fast pausenlos Züge ein- und ausfahren, täglich Tausende von Menschen ankommen und von sie erwartenden Menschen abgeholt werden. Mit einem zeitgenössischen Dokument wird so unsere Erwartung zur Sprache gebracht und die Ankunft Jesu in unsere Zeit gerückt. Wer kennt nicht die Vorbereitungen zu Hause, um alles schön zu machen für den erwarteten Gast, die Fahrt zum Bahnhof, um pünktlich da zu sein, das bange Warten, ob die Person auch kommt und vor allem, ob man sich in der großen Menschenmenge auch sieht und wiedererkennt?

Der Lexikontext zum Stichwort „Advent“ bringt dieses profane Geschehen in einen religiösen Zusammenhang. Geht es in der Vorweihnachtszeit, in der „Vorbereitungszeit für die [Feier der] Ankunft Christi“, wie es im Lexikontext heißt, nicht um ähnliche Vorkehrungen – wie bei der Erwartung eines bedeutenden Gastes?

Doch wer ist diese Person, welche die vielen Aktivitäten ausgelöst hat und eigentlich allen vor dem geistigen Auge gegenwärtig sein müsste? Die vereinfachte Wiedergabe einer Ikone stellt klar vor Augen, dass es sich um ein Kind handelt. Sie stellt allerdings kein soeben geborenes Kind dar, sondern einen Knaben mit erwachsenen Zügen. Die frontale Ansicht, das königliche Gewand wie der Heiligenschein zeichnen ihn als den Sohn Gottes aus, der schon vor seiner Menschwerdung als Wort Gottes präexistierte. So blickt uns durch den jungen Jesus das kluge Antlitz des präexistenten Immanuel an und bringt zum Ausdruck: „Gott ist mit uns“ (Mt 1,23)!

Er, „der ist und der war“, er kommt wieder (Offb 1,4; Ex 3,14). Wir feiern seine Ankunft auf Erden, als er damals sein Volk Israel besuchte und ihm Erlösung schuf (Lk 1,68). Doch machen wir nicht jedes Jahr „einen großen Bahnhof“ um seine Geburt, weil wir darüber hinaus glauben und hoffen, dass uns Jesus Christus aus der Ewigkeit Gottes heraus auch im Heute unserer Zeit begegnet? Dass er uns wie bei einem Wiedersehen herzlich umarmt, uns sein gutes, wohltuendes Wort zuspricht und in unserem Leben spürbar bei uns bleibt?

Patrik Scherrer / 24.12.2005


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