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Jerry Zeniuk
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Altar Painting , 2002

Öl auf Leinwand, 280 x 400 cm, Katholische Akademie in Bayern, München, © Jerry Zeniuk
 
Farbe bekennen - Spuren hinterlassen

Viele farbige, mehr oder weniger gleich große Punkte präsentieren sich unseren Augen. Meist kräftig in den Farben, rundlich in der Form und mit unscharfem Rand sind die bunten Farbtupfer über die Leinwand verstreut. Manchmal bildet ihre Aneinanderreihung so etwas wie eine Linie, aber es ist kein System der Verteilung oder Anordnung auszumachen. Die rundlichen Farbflächen sind einfach da, scheinen über dem braun-weiß verwischten Hintergrund zu schweben, auf dem Spuren horizontaler und vertikaler Pinselführung zu erkennen sind.

Was soll dieses Gemälde im Altarraum, was kann es zum Glauben sagen?

Vor dem eintönigen Hintergrund, auf dem nur noch verwischt Kreuzspuren zu erkennen sind, bilden die farbigen „Punkte“ eine neue, frische, frohe Wirklichkeit. Das Bild könnte eine Ostererfahrung zum Ausdruck bringen, wo es um die unfassbare Freude über die Auferstehung Jesu und den Sieg des Lebens über den Tod geht. Jeder Farbpunkt könnte ein Aspekt dieser Freude sein. Wie unser Auge versucht, alle Farbpunkte zu erfassen und es doch nicht kann, so unfassbar ist für uns das Geschehen der Auferstehung. Uns bleibt das teilweise Erfassen, das Wandern von einem Farbpunkt zum anderen. Darin erfahre ich schon Freude und Kraft, die ansteckt und in ihrer Frische gut tut.

Das Bild kann noch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Heißt „Farbe bekennen“ nicht, vor und gegenüber anderen zu seiner Einstellung, zu seiner Meinung, zu seinem Glauben stehen? So gesehen habe ich mit meiner Lebensgeschichte, meinen Fähig- keiten, meiner Persönlichkeit eine ganz eigene „Farbe“.  Wo ich mich in Gesellschaft und Kirche eingebe, bekenne ich Farbe, präge ich Situationen, Menschen, Orte – male ich gleichsam an dem großen Gemälde Kirche (oder Gesellschaft) mit. Je mehr ich mich mit meiner Farbe einbringe, engagiere, umso mehr Spuren hinterlasse ich und um so bunter, lebendiger und froher wird das Leben der Gemeinschaft.

„Ihr seid das Licht der Welt,“ sagt Jesus. „Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf einen Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure Werke sehen und euren Vater im Himmel  preisen. (Mt 5,14-16)

Noch ist Freiraum zwischen den Farbpunkten! – Fehlt vielleicht meine Farbe, weil ich mich nicht getraue, sie zu zeigen? Das Bild macht mir Mut, meine eigene Farbe zu bekennen, einzubringen und damit die Leuchtkraft und das Zeugnis der Gemeinschaft der Gläubigen zu erneuern.

Patrik Scherrer / 19.06.2004


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