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Robert M. Weber
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13. Station: Kreuzabnahme / Hinabgestiegen zu den Toten , 1998

Kirche St. Josef der Arbeiter in Waldram / Wolfratshausen, Kreuzwegstationen in Überfangglas geätzt und gestrahlt, 25 x 27 cm, © Robert M. Weber
 
Gehalten!

In quadratischer Form präsentiert sich uns diese Kreuzwegstation aus Glas. Eingelassen in das Mauerwerk der Kirche bildet dieser Kreuzweg  Übergänge zwischen dem Äußeren und dem Inneren der Kirche und vermag den Gläubigen gerade in schweren Stunden wahre Lichtblicke zu schenken. Alle Kreuzwegstationen scheinen bereits vom Licht der Auferstehung durchdrungen.

In der 13. Station sind die Kreuzabnahme und das Hinabsteigen zu den Toten zusammengefasst. Beiden gemeinsam ist die Abwärtsbewegung. Mehr Skelett als Leichnam ist eine menschliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen erkennbar, wie ganz unten auf dem Meeresgrund schwebend. Es muss Jesus sein. Das Kreuz ist ihm noch nahe, das ihm durch das Kreuz aufgebürdete Leid und der Schmerz verlassen ihn nicht so schnell und prägen weiterhin seinen Körper.

Die beiden aus dem Zentrum einer Spirale hervorgehenden Linien suggerieren, dass Jesus auch in den Tiefen des Totenreiches von Gott Vater und Heiligem Geist gehalten wird. Seine Arme bilden die Basislinie eines gleichschenkligen Dreiecks, das auch durch seine Helligkeit Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit ist. Dieses Dreieck bildet wie eine Taucherglocke ein schützendes Hausdach, den (Über-)Lebensraum in den Tiefen der Erde. Die offene Form beinhaltet eine Sogwirkung nach oben. Jesus ist hinabgestiegen, um alle Menschen an sich zu ziehen (vgl. Joh 12,32), sie zu retten und seinem Vater zuzuführen (vgl. Joh 6,39f; 10,27f).

Jesus ist hinabgestiegen in das Reich des Todes. Das Blau suggeriert die Tiefe des Meeres, aber durch die leichte Wellenbewegung spiegelt sich im Wasser bereits der Himmel und kündigt sich seine Herrlichkeit zur Rechten des Vaters an (Mt 26,64). Ein intensiver heller Lichtstrahl verbindet denn auch die ärmliche Gestalt Jesu mit dem oberen Teil des Bildes, führt ihn dort hinauf, wo über der Erde nach einer verregneten Nacht eben die Sonne aufzugehen scheint.

So wenig das Bild an traditionelle Bilder von Kreuzabnahmen oder Jesu Hinabstieg zu den Toten erinnert, so erzählt es doch in einer neuen Sprache von diesem zentralen Wesenszug des christlichen Glaubens. Dem Künstler ist es dabei wie den großen Ikonenmalern gelungen, den Hinabstieg Jesu zu den Toten im Licht der Auferstehung darzustellen, als Sieg Jesu Christi über die Macht des Todes.

Bilden nicht die ausgebreiteten Arme Jesu zusammen mit den beiden Schenkeln des Dreiecks ein Alpha, den ersten Buchstaben des griechischen Alphabetes? Es erinnert mich an Jesu Worte im Buch der Offenbarung, die in „Erfüllung“ gegangen sind: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt. Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn [oder meine Tochter, Anm. d. A.] sein.“ (Offb 21,6-7)

Auf der Website des Künstlers (sein Name links unter dem Bild ist verlinkt) finden Sie alle Kreuzwegstationen.

Patrik Scherrer / 02.04.2005


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