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Bernd Brach
[Künstlerwebsite]

Bild-Objekt Nr. 15 aus dem Jesus-Projekt
1995

Reproduktion auf Holz, Wachsobjekte, 65 x 140 cm
© Bernd Brach


[Druckansicht]
 
Erinnerungen …

Ein Engel mit Schwert. Ein Racheengel? Er schaut in die von gelbem Feuerschein erleuchtete Türöffnung. Was hat er vor? Der rot angemalte Türrahmen verweist uns auf die Pascha-Nacht, die Nacht vor dem Auszug der Hebräer aus der Sklavenschaft in Ägypten (Ex 12,7). Gott hatte angekündigt, durch Ägypten zu ziehen und jeden Erstgeborenen bei Mensch und Vieh zu erschlagen. „Über alle Götter halte ich Gericht, ich, der Herr. Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll ein Zeichen zu eurem Schutz sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorbeigehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen ... (12,12f).

Das Bild ist ein Ausschnitt aus einen größeren Ganzen. Die Reproduktion eines Gemäldes von Gebhard Fugel von ca. 1930 wird wiederverwendet mit einer Fokussierung auf den gehenden Engel, der mit geballter Faust und gezogenem Schwert durch die Straßen Ägyptens geht. Hinter ihm liegt ein Toter auf der Straße, vor ihm die hell erleuchtete offene Türe, in die sein Blick hineinschweift. Er wird vorübergehen und die Hebräer am Leben lassen. Gott geht es um das Leben, Gott rettet!

Der Künstler hat das Bild durch drei „Anhängsel“ mit keulenartigen Formen ergänzt. Eigenartig! Was soll das? - Sie sehen aus wie getrocknete Fleischstücke, sind aber aus Wachs. Ein Bild wird aufgehängt. Aber etwas am Bild aufhängen? Doch ist eine Vergegenwärtigung nicht an Erinnerungen festgemacht – aufgehängt? Sind Erinnerungen nicht wie mit Wachs konservierte, haltbar gemachte Erlebnisse, die wir zur gegebenen Zeit „hervorholen“, aus der Vergangenheit „abhängen“, um von ihnen – ihrer in der Gegenwart gedenkend – von neuem zu leben?

Für den Künstler sind die in seinem Werk immer wieder auftauchenden Gefäßformen „Behältnisse der Erinnerung – der Energie“. So sind ihm die drei langgezogenen Objekte „verlorene Seelen“, die auf die Gewalttätigkeit des alttestamentlichen Motivs reagieren.

Mir kommt es vor, als möchte der Künstler uns durch seine ungewöhnliche Arbeit auf eindringliche Weise bewusst machen, dass Gottes Boten auch heute noch unterwegs sind – nach Menschen suchend, die bereit sind, sich von ihrem Gott auf einen spannenden Weg des Vertrauens und der Freiheit führen zu lassen. Das erinnernde Gedächtnis an das Pascha-Fest möchte uns auch heute ein Segen sein, Gottes Nähe erfahren lassen.

Patrik Scherrer / 28.02.2004


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