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Jörg Länger
[Künstlerwebsite]

Verkündigung
2005

Linolschnitt / Mischtechnik
auf Papier
33 x 33 cm

Foto: J. Länger
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Verkündigung

Im Schnittpunkt von zwei Kreisformen begegnen sich zwei menschliche Gestalten. Die linke Gestalt muss ihren Flügeln nach ein Engel sein, die rechte der Haltung nach Maria, die sich kniend dem Willen Gottes beugt: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Die Begegnung findet nicht mehr in einem Haus statt. Als Heimat Mariens wird hier die Erde bezeichnet. Als lichte Gestalt ragt sie aus deren grau-schwarzen Oberfläche heraus. Durch ihre Unschuld und Reinheit von Sünden nimmt Maria eine herausragende Position ein. Sie, die Unbefleckte, wurde von Gott auserwählt, den „Sohn des Höchsten“ (Lk 1,32) zu empfangen, den „Retter der Welt“ (Joh 4,42; 1Joh 4,14).

Die Verkündigung an Maria findet so am Schnittpunkt von Himmel und Erde statt. Der Bote des Himmels überbringt der Vertreterin des Erdengeschlechts die frohe Botschaft, dass Gott seinen Sohn unter den Menschen groß werden lassen will. Dazu wird er Maria mit Seinem Heiligen Geist überschatten (Lk 1,35). Wunderbar hat der Künstler den Geist Gottes als bewegte, goldgelbe Kreisform dargestellt, wodurch nicht nur Gottes Herrlichkeit und Unendlichkeit angesprochen werden, sondern auch seine beschützende, rettende und Leben schaffende Kraft.

Von oben, von außerhalb des Bildes in die wahrnehmbare Bild-Welt einfließend, umgibt die immaterielle Energie Maria und den Engel wie ein Heiligenschein und vermittelt theologisch richtig, dass der Sohn durch die Menschwerdung die göttliche Dreifaltigkeit nicht verlässt, sondern in Ihrer Mitte bleibend in Maria die Natur und das Wesen von uns Menschen annimmt. Maria bildet so eine Art Brücke, auf der Jesus zu uns Menschen kam.

Den Weg von Jesus scheint eine feine gelb-weiße Linie anzudeuten. Sie entspringt dem leuchtenden „Wolkenbogen“ des Heiligen Geistes und kreist spiralförmig im Engel wie in Maria, um anschließend den Erdball zu umrunden. So sehr der Heilige Geist Maria überschattet und mit dem Engel zusammen umgibt, so sehr e r f ü l l t er den Botschafter wie die Empfängerin. Wie der Heilige Geist den Engel zu Maria bewegt hat, bewegt Er Maria und lässt sie fruchtbar werden.

Was mit Maria geschah, ist und bleibt einmalig. Doch Gott möchte in jedem von uns Mensch werden, jeden von uns mit seinem Heiligen Geist erfüllen. Insofern richtet sich die Verkündigung nicht nur an Maria, sondern an jeden von uns! Die universelle Botschaft bringt der norwegische Dichter Svein Ørnulf Ellingsen in einem vom Magnifikat inspirierten Text in poetischen Worten zum Ausdruck:

Gottes Lob wandert und Erde darf hören.
Einst sang Maria , sie jubelte Antwort.
Wir stehn im Echo der Botschaft vom Leben:
Den Herrn preist meine Seele.
Ich freue mich, dass er mein Retter ist.
Der Hohe schaut die Niedrige an.
Halleluja, Halleluja.

Wunder der Wunder: Für uns wirst du Mensch, Herr!
Lass doch das Lied, das Maria uns lehrte,
Brücke der Freude sein, die uns zu dir führt.
Den Herrn preist meine Seele.
Ich freue mich, dass er mein Retter ist.
Er denkt an uns, hilft Israel auf.
Halleluja, Halleluja.
(Kath. Gesangbuch der Schweiz, Nr. 762, 1.+3. Strophe)

Patrik Scherrer / 25.03.2006


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