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Felix Droese
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Cain
1999

Holzdruck und Malerei auf Schullandkarte, Öl, Wattschlick, Wasser, Bitumen, 280x 175 cm
Foto: Manos Meisen, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Kain

Dunkel füllt die große Gestalt mit dem erhobenen Arm die rechte Bildhälfte. Die schwarze, mit rot vermischte Farbe lässt Böses ahnen. Gewalt liegt in der Luft, Ungerechtigkeit. Da ist einer im Begriff dreinzuschlagen, einen Menschen niederzumachen. Auf dem Hintergrund der Weltkarte wiederholt sich hier die Geschichte von Kain und Abel (Gen 4,1-17). Wie die schwarzen Wolken über die Erde ziehen und diese – vom Sonnenschein trennend – verdunkeln, so überschatten die Nachfolgetaten von Kain das Antlitz der Erde und seiner Bewohner.

Die „Physische Weltkarte“ steht nicht umsonst quer auf der Seite. Durch Neid, Ungerechtigkeit und Gewalt wird sie verdreht, ihre Gesetze pervertiert. Während sich „Kain“ hoch aufrichtet und mit einer klaren Silhouette profiliert, verschwindet sein Opfer zu einer unförmigen Masse, bei der gerade noch knapp ein Kopf und ein Arm auszumachen sind.

Ein violetter Trauerflor breitet sich zwischen den beiden aus. Bruderliebe ist durch Neid und Eifersucht in Hass und letztlich in Brudermord umgeschlagen. Alle Farbe ist durch die Tat aus dem Täter uns seinem Opfer gewichen. Das Blut tränkt nun ihre Kleider. Kain hat mit seinem Bruder auch einen großen Teil von sich selbst zerstört. Der Mann ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Er hat sein Gesicht verloren, letztlich könnte er jedermann sein!

Von den weiß geschriebenen Worten sind viele übermalt. Was soll hier verdeckt werden? Spiegelverkehrt ist „Waffenl“ zu entziffern. Waffenlager werden gerne versteckt. Mit der Beschaffung und Lagerung von Waffen sind meist Geldmissbrauch, Macht und Mord verbunden. Mit Hilfe von Waffen – symbolisch steht der Stein in Kains Hand dafür – wird das Leben vieler Unschuldiger vernichtet, und das Antlitz unserer Schwester Erde wird gedankenlos zerstört. Die Weltkarte hat ihre Berechtigung!

Nach dem Totschlag seines Bruders wurde Kain von Gott gefragt: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Er könnte mich auch fragen: Wo ist Deine Schwester, Deine Mutter, Dein Vater, Deine Frau, Dein Mann, Dein Kind? Was hast Du mit dem Leben oder dem Stück Erde gemacht, das ich Dir anvertraut habe? – Kain antwortete: „Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“ – Ich kann mich nicht hinter Kain verstecken. Was ich getan habe, habe ich selbst vor Gott - und auch den Mitmenschen - zu verantworten!  Was werde ich zur Antwort geben?

Patrik Scherrer / 20.11.2004


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