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Claudia Krämer
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amo ergo sum
2004

Echtantikglas laminiert auf teilweise sandgestrahlte
Trägerscheibe, Siebdruck
230 x 60 cm
Umsetzung: Derix Glasstudios
Foto: E. Wiesner, © C. Krämer


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amo ergo sum

Amo – ergo – sum steht von oben nach unten unter den drei Bildtafeln, die gegen unten immer ausladender und deren beiden Hauptdarsteller immer formatfüllender werden. Ihre geschwungene Form ist nicht nur außen bewegt, sondern lebt auch im Innern durch das Spiel der Farbennuancen. Die beiden Formen mögen an Wellen erinnern, aber auch Assoziationen an stilisierte Vogelköpfe oder erotisches Spiel auslösen. Letztlich zeichnen sie auf abstrakte Weise den Weg der Liebe: Ihre Existenz und ihre Bewegung, die mittels Annäherung, Berührung und Gemeinschaft bildende Verbundenheit in ihrer Mitte Neues entstehen lässt.

Im Gegensatz zum "Cogito ergo sum - ich denke, also bin ich" des Philosophen Descartes steht bei Sr. Claudia Krämer das christliche "amo ergo sum - ich liebe, also bin ich." Mit diesen drei Worten hat sie das zentrale Anliegen Jesu meditativ ins Bild gebracht: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst! Daraus resultiert, wie Jesus es gegenüber dem Gesetzeslehrer formuliert hat, das Leben (vgl. Lk 10,25-28).

Wie die Schrift ist auch das Spiel der beiden Formen aus der Hand der Künstlerin „geboren“. In der obersten Bildtafel thematisieren sie die Begegnung. In der Annäherung ist die gegenseitige Anziehungskraft zu spüren, aus der eine herzliche Zuneigung hervorgeht. Das eine Element kommt von oben, vom Himmel, das andere von unten, von der Erde her. Das eine ist schon groß im Bild, während das andere erst am Kommen ist.

In der Mitte sind die beiden Formen schon stärker im Bild. Der weiße Freiraum ist weniger geworden. Die untere „Welle“ ist aufgestiegen, die obere „Welle“ hat sich auf die untere herabgesenkt, ohne dass eine der beiden dominieren würde. Durch die Berührung und die stellenweise Überlagerung hat die Begegnung an Intimität gewonnen. Sie lassen sich aufeinander ein und binden sich aneinander.

In der untersten Bildtafel wird die Einheit zum Ausdruck gebracht, die aus dieser liebenden Verbundenheit entstanden ist. Beide Elemente nehmen gleich viel Platz ein. Sie sind beide im „Kopf- und Bauchbereich“ auf den anderen eingegangen und geben durch die Überlagerung (gemeinsame Interessen?) der Beziehung Halt und Beständigkeit, gleichsam die Worte aufgreifend: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken.“ (Lk 10,27)

In der Mitte dieser beiden „Liebenden“ offenbart sich als „Frucht“ das neue Leben: Ein Menschenkopf. Aus dem Zentrum der liebenden Vereinigung heraus wird der Mensch geboren und erhält er seine Geborgenheit. Auch als Erwachsener. Hat die Künstlerin ihn deshalb so nachdenklich dargestellt? Weil wir unser ganzes Leben Werdende sind? Gerade durch die Liebe? Die Spitze der roten, ihn umgebenden Form weist auf seinen Kopf, sein Denken hin, die Spitze der rosafarbenen Form auf seine Brust und seine Liebe hin, als wollten sie sagen: Liebe, und du wirst das Leben in Fülle erfahren.

Ausstellungshinweis: Dieses und weitere Werke von Sr. Claudia Krämer sind bis zum 17. Juli 2006 im Haus der Stille in Berlin zu sehen.

Patrik Scherrer / 20.05.2006


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