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Matthias Dämpfle
[Künstlerwebsite]

Verschränkte Hände
2004

Dunkel schleiffähiger Beton
H 22 x B 18 x T 12 cm
© Matthias Dämpfle


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Explosiv ?

Was ist das? Was soll das darstellen? Einen Apfel? Eine Traube? Eine Handgranate? Die vom Künstler Matthias Dämpfle geschaffene Skulptur ist in ihrer Form offen für solche Assoziationen. Auch die silbrige Linie, die diesen kleinen dunklen Betonblock schlangenförmig von links nach rechts durchzieht, lässt viele Interpretationen zu.

Die flache Vorderseite erschwert eine räumliche Vorstellung. – Muss ich in die Tiefe gehen? Würde es nicht genügen, einfach vor dem Kunstwerk stehen zu bleiben, es als schön oder nicht schön zu beurteilen und stehen zu lassen, und nicht daran zu kratzen? Da ich allerdings glaube, dass in allem Geschaffenen ein Sinn steckt, kann ich nicht anders als auch dieses Kunstwerk mit dem Glauben zu durchdringen und ergründen.

Ich entdecke, dass die unscheinbare silbrige Linie die Skulptur in zwei Hälften teilt: eine Linke und eine Rechte, die ineinander verschränkt sind. Vier Finger in jede Richtung – eine Hand, zwei ineinander verschränkte Hände, deren Daumen nach oben schauen!

Nicht aus eigener Sicht, aber aus der Sicht des Gegenübers können uns solche Hände bekannt sein als Zeichen der Einkehr, der Stille, der Sammlung auf das Wesentliche im Leben. Sie können uns auch bekannt sein als Ausdruck des Gebets, der Besinnung auf die Verbundenheit mit Gott.

Wie die Hände sich zusammen tun, so „verschränken“ sich im Gebet der menschliche und der göttliche Geist zu erneuernder Einheit. Wie sich eine Hand öffnen muss, um eine andere Hand zu ergreifen, braucht es die Offenheit des Menschen, damit Gott ihn beschenken, bildlich gesprochen seine Hand ergreifen, halten und füllen kann.

Gerade durch diese herzliche Verbundenheit mit Gott wohnt dem Gebet eine geballte Kraft inne, die ähnlich explosiv ist wie die einer Handgranate. Glaube und Liebe wirken allerdings nie zerstörend, sondern immer tröstend, heilend, stärkend, ermutigend. Gerade weil Beten weder oberflächlich noch formelhaft gesprochene Wort ist, sondern aus der Tiefe des Herzens kommt (vgl. Röm 8,26f), vermag es Berge zu versetzen (Mt 17,20) – im Beter selbst und bei allen, für den er oder sie sich einsetzt.

Diese auf eine einfachste Form verdichteten Hände erinnern mich an die Kraft des Gebetes und ermutigen mich, es vermehrt als wunderbares Geschenk Gottes zu nutzen.

Patrik Scherrer / 06.11.2004


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