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Veronica von Degenfeld
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Der Bund , 2002

Öl auf Leinwand, 110 x 170 cm
© Veronica von Degenfeld
 
Gottes Weisungen

Alles scheint in Bewegung zu sein auf diesem Bild: Die mit schnellen Pinselstrichen aufgetragene Farbe, die Farbtöne, selbst die Komposition scheint in heller Aufruhr durcheinander gewirbelt zu werden.

Mittendrin lässt sich allerdings eine Gestalt entdecken, die von den Gewalten scheinbar unberührt am Boden kniet. Ihr aufrechter Oberkörper und die Umrisse des Kopfes sind deutlich zu erkennen, während das Gesicht verhüllt ist und Arme und Beine angedeutet sind. Erschrecken und Ehrfurcht bringen die Hände am Herz und vor dem Mund zum Ausdruck. Rot gekleidet, ist sie vorne, unten und hinten von roten Elementen tragend und beschützend umgeben.

Erst durch diese Person lässt sich das untere Bilddrittel als Erde festlegen. Vor ihr und über ihr wölbt sich ein großer Bogen von der linken unteren Ecke diagonal nach oben. Assoziationen an Felsen und Wolken werden hervorgerufen und bringen Mose in Erinnerung, der nach dem Auszug aus Ägypten von Gott eingeladen wurde, auf den Berg Sinai zu steigen. „Der Herr sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleib hier! Ich will dir die Steintafeln übergeben, die Weisung und die Gebote, die ich aufgeschrieben habe. Du sollst das Volk darin unterweisen.“ (Ex 24,12)

Die Begegnung selbst wird folgendermaßen beschrieben: „Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer. Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg hinauf. Vierzig Tage und vierzig Nächte blieb Mose auf dem Berg.“ (Ex 24, 17-18)

Obwohl die wolkenartigen, dunklen Elemente den hellen Hintergrund größtenteils verdecken, lassen die leuchtenden Gelbtöne doch die Herrlichkeit Gottes im Hintergrund erahnen. Er ist die Urkraft, die hinter allem steckt. Mit ihrer bewegten und dichten Darstellung taucht die Künstlerin nicht nur in die an sich verhüllte Begegnung ein, sie lässt uns auch die Bedeutungsfülle dieser Zeitspanne spüren. Das Bild lässt an einen Sturm denken, an ein Chaos, an eine schöpferische Neuordnung. Gott schenkt den Israeliten Weisungen, die ihnen wie Sonne, Mond und Sterne in guten und hellen sowie in schlechten oder eben dunklen Zeiten Orientierung geben sollen.

Doch was bewirken in Stein gemeißelte Gebote, wenn sie nicht beachtet oder umgesetzt werden? Hat die Künstlerin das Bild vielleicht deshalb so bewegt gemalt, damit auch wir die revolutionäre Kraft in den 10 Geboten verspüren, die Kraft des Heiligen Geistes? Auch wenn der Bundesschluss keine Präfiguration von Pfingsten ist, so gibt Gott den Israeliten und allen Gläubigen durch Mose doch eine äußere Lebenshilfe, die ihr Inneres bewegen und erneuern soll.

Patrik Scherrer / 21.10.2006


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