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Andreas Kuhnlein
[Künstlerwebsite]

o. T.
2002

Eiche
125 x 55 x 38 cm

Foto: Erwino Nitz, Mühldorf
© A. Kuhnlein


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Auflehnung / Rebellion

Was für ein Ereignis hat wohl diese Person in die Knie gezwungen, an den Rand der Verzweiflung, hin zum Protest, zum Widerstand getrieben?

Alles schreit an diesem Menschen: sein zerklüfteter, von Leid gezeichneter Körper, die erhobenen Arme mit den zu Fäusten geballten Händen, sein nach hinten gelehnter Kopf mit dem geöffneten Mund. Den Oberkörper leicht nach links gedreht, wendet er sich nach oben, einem unsichtbaren Gegenüber zu.

Die Frage bleibt: was hat ihn so zugerichtet, dass er mit seinem ganzen Wesen aufbegehrt? Ist die Ursache seines Leidens vielleicht genauso unsichtbar wie sein Gegenüber? Sind sie vielleicht sogar identisch? Vermutlich verstehen wir die Gefühle der knienden Person am besten, wenn wir uns in sie hineinversetzen.

Dann spüren wir unsere Ohnmacht gegenüber ungreifbaren Mächten: Schicksalsschlägen, Krankheiten, Ungerechtigkeit, Zwängen. Dann können wir nachempfinden, wie die vielgestaltigen Verletzungen, Einschränkungen, Vorschriften bis zum Zusammenbrechen belasten können und uns nicht nur nahe, sondern unter die Haut und an die Substanz gehen.

Eine Grenze scheint erreicht zu sein. Die übriggebliebene Lebensenergie flammt in den expressiv gestalteten Körperteilen wie Feuerzungen auf. Geballte Kraft begleitet den Aufschrei. Genau diesen Moment hat der Künstler in der Skulptur eingefangen. So hört der Schrei nicht mehr auf. Es gibt zuviel offenkundiges und verborgenes Leid in dieser Welt, als dass dieser Schrei des Protestes irgendwann aufhören könnte.

Und trotzdem – die Gestalt drückt nicht nur Verzweiflung und Anklage aus. Das demütige Knien, der aufgerichtete Rücken, der nach oben gewandte Kopf – können das nicht Zeichen für eine Spur von Hoffnung sein? Ist nicht mitten im Aufbegehren ein Innehalten festzustellen?

Ob es die Beachtung ist, die diesen stellvertretenden Menschen aufhorchen läßt? Spiegelbild unserer selbst, weist er uns auf die unsichtbaren Mächte hin, diese verzehrenden, aber auch AUFBAUENDEN Kräfte, die in und um uns kämpfen und die wir nur zu gut in uns spüren. Und er ermutigt uns, ihnen nachzugehen und nicht aufzugeben ...

Patrik Scherrer / 19.01.2007


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