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Helmut Loder
[Künstlerwebsite]

Fastenstein
2007

Ytong, Farbe
ca. B 35 x T 30 x H 40 cm
Durchmesser der Goldkugel ca. 9 cm
© Helmut Loder

[weitere Werke (1)]
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Einkehr-Impuls

Nur ein Stein, könnte man leichtfertig denken, wenn man den runden Stein von der Rückseite her in die Hand nimmt. Er wird aus irgendeinem Fluss stammen, durch dessen Wasser er rund geschliffen worden ist.

Von vorne gesehen offenbart sich der Stein aber als Kunstwerk – zum einen als künstlicher Stein, zum anderen als künstlerisch gestaltetes Werk: Denn in einer kreisförmigen Vertiefung liegt eine goldene Kugel. Bilder tauchen auf. Vergleiche werden angestellt. Ist es ein Auge oder etwa eine Muschel mit einer goldenen Perle?

Von der Skulptur geht etwas Behütendes, Beschützendes aus. Der weiße Stein erscheint in Bezug zur zentralen Kugel wie ein dicker Mantel, der die kostbare Mitte beschützt. Dieses Offenlegen des in der Steintiefe normalerweise Verborgenen macht das Besondere dieses Steins aus. Die Einsicht regt zum Nachdenken an. Die Skulptur ermöglicht Parallelen zu uns Menschen. Sie bringt Verborgenes zum Vorschein und Sehnsüchte zum Sprechen und lädt damit zum Besinnen auf die zentralen Werte in unserem Leben ein.

Durch die vielen Anforderungen und Aktivitäten des Alltags gerät das Ureigenste und damit Kostbarste schnell aus den Augen und aus dem Sinn. Wie bei Kalkablagerungen legt sich eine steinerne Schicht nach der anderen um unsere seelische Mitte und verhindert damit gleich einem Panzer, dass wir ihre Empfindungen wahrnehmen und hören.

Die große runde Vertiefung erinnert daran, dass wir regelmäßig Zeiten-Räume der Einkehr, des Zurückziehens und des Verzichts brauchen, in denen wir uns auf die Suche nach der persönlichen Mitte machen können. Durch die vielen Ablenkungen des Alltags sind wir (ohne Gegenmaßnahmen) unmerklich von ihr getrennt und damit uns selbst fremd geworden. Uns selbst, ja, aber auch dem göttlich Wertvollen, dem Goldenen, das still in jeder und jedem von uns schlummert.

Die goldene Mitte ermutigt und gibt Orientierung auf dem Weg der Wert-Schätzung der Lebens-Wichtigkeiten. Das Zeichen des künstlichen Steins mahnt uns, dass die schönen und selbst geschaffenen Bequemlichkeiten des Alltags das wirkliche Leben oft mehr behindern und lähmen als fördern. Der Verzicht auf sie öffnet neue Zugänge zu den Quellen des Lebens, lässt Wesentliches neu entdecken. Die Heilige Schrift mit den Gotteserfahrungen von Jesus und anderen Gläubigen vor und nach ihm kann bei dieser „Schatzsuche“ wertvolle und hilfreiche Anregungen vermitteln, damit wieder wesenstiefe und damit herzliche und nachhaltig beglückende Begegnungen möglich sind, die von Lebendigkeit nur so sprühen.

>> Zur Website von Helmut Loder mit weiteren "Stein-Impulsen" für jeden Tag der Fastenzeit 2007.

Patrik Scherrer / 24.02.2007


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