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Gottfried Zawadzki

Schöpfung I
2006

Mischtechnik, 59 x 50 cm
Foto: Doris Hein

© Gottfried Zawadzki


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Ausstrahlung

Was für eine Wärme geht von diesem Bild aus! Was für ein Sog führt ins glühende Zentrum dieses Bildes! Ungeformte Materie scheint von einem feurigen Kern nach außen geschleudert zu werden und sich dabei, dunkler werdend, zu verfestigen. Darüber schwebend oder darin schwimmend, strukturieren weiße, unförmige, auf die Mitte ausgerichtete Fragmente das Bild. Einige erscheinen uns als flüchtige Wolken, andere, vor allem die größeren, eher als Inseln. Der größten von ihnen ist ein gelber Kreis beigeordnet.

Schöpfung? Das Bild lässt an etwas denken, das im Entstehen ist, das von einer unsichtbaren Mitte gleichsam angezogen und zusammengefügt wird. Es könnte die Anziehungskraft der Erde sein. Die feurige orange-rote Farbe lässt an das brodelnde Innere unseres Planeten denken, an die flüssigen Magmamassen, die hier und dort durch die Vulkane an die Oberfläche treten und die Erde „ursprünglich“ mitgestalten.

Die zentrale Kreisform wie die strahlenförmige Anordnung der weißen Elemente bringen gleichzeitig die Fragilität alles Geschaffenen zur Sprache. So wie sich die Materie gefunden hat, könnte sie durch die geballte und vielleicht auch gestaute Energie auseinander bersten, explodieren. Die „Inseln“ im Glutmeer lassen daran denken, dass der Boden unter den Füßen heiß werden und sich das Leben unter der Sonne schon bald auf einer „dahinschmelzenden Eisscholle“ befinden könnte.

Erinnern die strahlenförmigen wolkenähnlichen Gebilde nicht diskret an das Zifferblatt einer Uhr? – Die Zeit läuft! Auch wenn kein Zeiger genau sagen kann, wie spät es ist! Wie der Klimawandel weist das Bild darauf hin, dass es höchste Zeit ist, sich jetzt unseres Planeten anzunehmen: Ihn als lebendigen Organismus zu beachten, mit ihm achtsam, sorgsam, umsichtig umzugehen und ihn nicht weiter auszubeuten oder wie eine unerschöpfliche Müllhalde zu behandeln.

Die Fragilität von allem Geschaffenen und die damit einhergehende Vergänglichkeit mag ein Grund für einen veränderten Umgang mit unserer Umwelt sein. Mit seiner Ausstrahlung spricht das Bild noch etwas an, das unser Verhalten prägen sollte: die Schönheit der Schöpfung. Ist in ihrer überbordenden Lebensfülle nicht Gottes schöpferischer Geist zu spüren? Kommt in der orange-roten Farbe des Bildes nicht seine Liebe zum Ausdruck, die der Schöpfung zu Grunde liegt und alles Geschaffene im Werden wie im Vergehen durchwirkt, hält und mit Schönheit erfüllt?

Patrik Scherrer 05.05.2007


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