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Karl-Heinz Hennerici
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Inneres Licht , 2003

Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm
© Karl-Heinz Hennerici / www.pilgerwanderweg.org
 
Einfach schön

Einfach präsentiert sich das Bild mit seinen wenigen Elementen und Farben. Schnell ist es in seinem leicht diagonalen und symmetrischen Aufbau erfasst. Die leuchtenden Farben vermitteln eine Heiterkeit, eine positive Kraft geht vom den harmonischen, prallen Formen aus. Die von oben hereinzufließen scheinende weiße Aufhellung lässt zu, dass im gelben, nach unten auslaufenden Oval ein dreidimensionales Gebilde gesehen werden kann, ein Ei oder eine aufbrechende Knospe, links und rechts beschützend gehalten von einer roten und einer blauen Schicht, die in ihrer Form an Hände oder Knospenblätter erinnern und dem zentralen Gegenstand gleichzeitig etwas wie eine Aura, eine Ausstrahlung verleihen.

Andererseits gibt die rot-blaue Fassung gewissermaßen Einblick in ein leuchtendes Geschehen, das nach unten ausfließt. Die eiförmige Gestalt scheint durch die Aufhellung von oben rechts zu kommen und sich nach unten links in die „Bildwelt“ zu ergießen. Dabei kann die weiße Fläche im gelben Umfeld als eine Hand gesehen werden, die von oben in dieses Aufbrechende hineingehalten wird, Mitte und Kraft gebend, vielleicht auch Wesen und Auslöser seiend.

Dieses von innen und von außen Gehaltene, von der Liebe formgebend Umfangene und vom Wasser und der Luft nährend Unterstützte vermag Staunen über das Wunder des Entstehens und des Wachsens, über das Werden alles Geschaffenen auszulösen. Es ist, als hätte der Künstler mit symbolischen Zeichen ein im Mutterbauch heranwachsendes Kind gemalt, die unübertreffliche Freude und die Schönheit dieses Geschenks sichtbar gemacht, aber auch die Bedingungen, unter denen sich Leben in einer ersten Phase entwickeln kann: in Stille und Geborgenheit, ohne Hast und zunächst den Blicken entzogen. Dieses Gesetz des Werdens gilt für alles körperlich Lebendige in der Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt und nicht zuletzt im geistigen Bereich, im persönlichen Leben, in Kunst und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, das gilt für jede Idee, jede Entscheidung, jedes Programm. Wir wissen das eigentlich alle und erleben doch täglich die Folgen „unausgetragener Ideen“ ...

Zurück zum Bild: man erhält den Eindruck, etwas Heiliges zu schauen, ja dem Heiligen selbst ins Angesicht zu schauen. In der Einfachheit dieser Farben und Formen dringt sehr viel von seinem Wesen durch, von tiefer Ruhe, von seinem Licht, seiner Liebe und Herzlichkeit.

Die längere Betrachtung dieses Bildes fasziniert und ermutigt, allem Werdenden und Entstehenden – sei es körperlich oder sei es geistig – so lange schützenden Raum zu geben, bis es – ähnlich einem Kind – bereit für die Geburt ist, bereit für Eigenständigkeit, die in ihrem Innersten von einer höheren Macht – Gott – gehalten wird.

Patrik Scherrer / 14.07.2007


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