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Monika Bozem
[Künstleradresse]

Das Kreuz als Brücke
2007

Mischtechnik auf Holz
97 x 157 cm

© Monika Bozem /
www.pilgerwanderweg.org


[Druckansicht]

 
Mysterium

Auf den ersten Blick könnte man an eine Skizze für die Bühnenausstattung zu einem Mysterienspiel denken: eine tiefe Straßenschlucht öffnet sich zwischen einer hohen, dunklen Hauswand zur Rechten und der Silhouette eines kleineren blauen Hauses zur Linken. Darüber strömen feine weiße Striche wie Nieselregen auf dieses Haus herab, das wohl menschliche Anwesenheit, menschliches Leben andeuten mag.

Zwischen diesen Kulissen dominiert ein leuchtend weißes Objekt, das nach beiden Seiten ausgreift. Trotz seiner vagen Form ist ein Kreuz zu erkennen. Auch wenn es seine Materialität und Schwere verloren hat, lässt es zusammen mit der zackig gezeichneten Gestalt in seinem Innern eine vorausgegangene Kreuzigung oder schwere Leiderfahrung ahnen. Durch den Farbwechsel ist es jedoch zum Symbol von etwas Hellem, Schönen, Sich-mitteilenden geworden. Damit tritt es aus der Dunkelheit hervor und breitet sich schützend über die Menschen und ihren Lebensraum aus.

Zwei Kreisbogen deuten an, dass das am Kreuz Geschehene aus den Wirkungskreisen von zwei unterschiedlichen Interessen heraus entstanden ist. Von unten erhofften die einen den Tod eines unbequemen Zeitgenossen, von oben gab der Unendliche seinen einzigen Sohn als Lösegeld für die Vergehen der Menschen hin, damit sie nicht in der Dunkelheit untergehen, sondern zum Licht und zum Leben gerettet werden.

Können nicht in der helleren blauen und der gelben Fläche unter dem Kreuz nach oben gewandte Menschengestalten gesehen werden? Menschen, die stellvertretend für alle nach Erlösung von ihren Gebundenheiten verlangen? Mit dem Kopf nach hinten strecken sie sich nach Freiheit und Licht aus, nach der Vergebung ihrer Vergehen. – In der goldgelben Flut scheint sie ihnen wie aus einer Wunde des Kreuzleibes zuzufließen: voller Licht, erneuernd, verwandelnd.

So können das Kreuz der Heilsgeschichte und das Leid in jedem Menschenleben ihre spezifische Gestalt und deren harte Konturen und Dunkelheit verlieren. Aber dazu bedarf es des Menschen, der offen ist für diese Wandlung, der das Gute, den Segen, die Gnade, oder wie immer wir es benennen mögen, dieses goldgelb Leuchtende wahrnimmt und aufnimmt.

Patrik Scherrer 21.07.2007


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