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Manfred Hartmann
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Leuchtendes Kreuz
2004

Acryl auf Leinwand,
© Manfred Hartmann

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Leuchtendes Kreuz

Wie ein einfaches Gewand mag einem die rote Fläche erscheinen. Durchsetzt mit schwarzen Bereichen, vermittelt sie den Eindruck eines gebrauchten Kleidungsstücks. Unten und seitlich wird sie vom Bildrand beschnitten, oben kann der leichte Einschnitt in der Mitte als Kragen gedeutet werden.

Doch das von oben eindringende Licht und der lebendige Pinselduktus verleihen dieser T-förmigen Fläche etwas Körperhaftes, Menschliches. Das weißgelbe Licht, das von außerhalb in das Bild hineinfließt, sich in das Gewand und über das Gewand bis zur helleren Mitte ergießt, befindet sich an der Stelle des Kopfes. In der Art und Weise, wie es den dunkleren Hintergrund überdeckt, erscheint es als erleuchtetes Gesicht, das leicht zur Seite geneigt Vergeistigung und Transzendenz ausstrahlt.

Dieses weißgelbe Gebilde hat etwas Hinweisendes und zugleich Mitteilendes an sich: aus der Höhe kommend deutet es auf den Brustbereich des Gewandes hin. Die dort leuchtende Kreuzesform mag andeuten, dass die Herzmitte des Menschen nicht nur anatomische Bedeutung hat, sondern ebenfalls spirituelles Aufnahmeorgan für Immaterielles und Transzendentes ist.

Links neben dem Licht können zwei weitere Kopfformen gedeutet werden: eine weiß Schraffierte links, eine weitere in violetter Farbe in der Mitte. Ob dadurch in dem ganz von Licht erfüllten oder verhüllten, zur Seite geneigten Kopf das letzte Stadium einer Entwicklung gesehen werden soll? Nun ist es vollbracht. Was sein musste, ist geschehen. Alles an ihm ist von den vergangenen Stunden, Tagen und Wochen gezeichnet.

Die T-Form lässt eine Person mit ausgebreiteten Armen wahrnehmen: einen Menschen, dessen Innerstes von einem Licht erfüllt ist, das auch Schmerz und Kreuz aufhellen kann. Und sie bringt im feurigen Rot die Begeisterung dieses Menschen zum Ausdruck, die weder durch das Leid noch den Tod gebrochen werden konnte. Ein Heiliger?

Vor dem unbestimmbar grauen Hintergrund nimmt das starke Rot eine klare Position ein, legt ein deutliches Bekenntnis zum Leben ab, trotz der in der schwarzen Farbe erkennbaren Bedrängnis. Wie ein Blick in sein Innerstes offenbart sich das leuchtende Kreuz als zentrale Kraftquelle. In der Art und Weise, wie es das kleine Herz umgibt, ist es auch Schutz und erweiterter Lebensraum. Damit könnte zum Ausdruck kommen, dass der vom Herzen ausgehende Glaube die tragende und alles verwandelnde Kraft ist.

So sehr das Bild als symbolische Darstellung für den gekreuzigten und auferstandenen Herrn gedeutet werden kann, ist es vor allem Ausdruck für jeden Christen, dessen Gedanken und dessen Tun von unfassbarem Licht umgeben sind. Ihm wohnt eine zum Guten wandelnde Kraft inne, die wie bei Jesus zum Vorbild für viele wird, sich für die Liebe und das Leben einzusetzen, Zeit und Leben für den anderen hinzugeben. Damit alle das Leben haben und es in möglichst großer Fülle erfahren dürfen.

Patrik Scherrer / 03.11.2007


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