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Michail Schnittmann
[Künstlerwebsite]

Flügeln
2008

120 x 120 cm, dreiteilig

Mittlerer Teil in Öl, die beiden Seitenflügeln in Acryl mit Sand und mit Öl lasiert

© beim Künstler



[Druckansicht]

 
umsichtige Präsenz

Hart und scheinbar zusammenhanglos begegnen uns die drei hochformatigen Teile dieses Triptychons. Mit einer expressiven Farbgestaltung zieht vor allem die mittlere Paneele den Blick auf sich. Warme Braun- und Rottöne deuten den Leib einer menschlichen Gestalt an, von der nur der Kopf deutlich erkennbar ist. Strahlenförmig scheinen sie von einer dunkleren Mitte nach oben und nach unten zu gehen. Dabei bilden sie so etwas wie einen Schild und erwecken den Eindruck, als schaue der Kopf aus dem einzigen freien Winkel über diese „Farbwand“ hinaus in eine undefinierte Weite.

Die beiden Seitenteile sind als gegenstandslose, graublau-weißsilbrig schimmernde Flächen gestaltet. In der pastos aufgetragenen Farbe sind Kerbspuren feststellbar, oben mehr diagonal auslaufend, in der unteren Hälfte in Form von Augen.

Eine Verbindung zwischen Mittel- und Seitentafel ist auf den ersten Blick kaum wahrnehmbar. Doch über das Ganze gesehen lässt sich durch die Schattierungen eine leichte, diagonal nach rechts aufstrebende Struktur erkennen. Dadurch werden der nach links schauenden Gestalt gewissermaßen Flügel verliehen. Ob sie einen Engel darstellt? Einen Cherub wie in Ezechiel 1,4-21 oder aufgrund der roten Gestalt gar einen Seraphen, jenes himmlische Wesen, das von seiner brennenden oder entzündenden Eigenschaft geprägt ist und oft mit vielen Augen am Leib dargestellt wird?

Wie dem auch sei, geht etwas Behütendes und Beschützendes von dieser Gestalt aus. Zwischen kühlen Farben der beiden Seitentafeln vermittelt sie erdige Wärme und angenehme Gegenwart. Als farbiger Lichtblick taucht sie wie eine sinnlich wahrnehmbare Erscheinung aus einer anderen Welt vor unseren Augen auf, unnahbar entrückt und doch Zuversicht ausstrahlend. Aus der Mitte lebend, verändert und integriert sie die Umwelt, lässt sie zu Flügeln werden, die ihr die Schönheit eines Pfaus verleihen, der gerade sein Rad schlägt.

Von diesen Augen hat man nichts zu befürchten. Sie verweisen nicht auf die allgegenwärtigen Kameralinsen von „Big Brother“, sondern lassen viel mehr umsichtige Wachsamkeit des Dargestellten spüren, seine „gemittete“ Präsenz. Ob Bote des Himmels oder Sinnbild für uns – wer er auch sein mag – er ist ganz da, erfüllt von einer warmen, guten Kraft, die wohl tut und von der man sich gerne anstecken lässt. Mit seinen inneren und äußeren, sichtbaren und unsichtbaren Augen nimmt er seine Umgebung wahr und kann so umsichtig handeln, Gefahren ausweichen, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun.

Patrik Scherrer / 24.05.2008


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