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Marc Fromm
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„Zwei Heilige“ , 2007

Linde geschnitzt, in Öl gefärbt und Poliment vergoldet (24 Karat), 130 x 250 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 
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Frau und Mann begegnen uns in dieser Arbeit. SIE steht frontal vor uns, mit herausforderndem Blick, die Arme selbstbewusst in die Seiten gestemmt und mit den Händen die Taille betonend. Die blonden Haare fallen in kunstvollen Locken auf das dunkelblaue Kleid mit seinem tiefen Ausschnitt. ER ist seitlich dargestellt, nur mit einer roten Bade- oder Unterhose bekleidet. Lässig steht er mit verschränkten Armen da, mit dem nach links gedrehten Kopf am Betrachter vorbeischauend.

Firmenlogos und knappe Angaben zu den Produkten stellen klar, dass es sich bei den beiden Personen um Models handelt, die Werbung für die Produkte dieser beiden Häuser machen. Sie sollen den Betrachter anmachen, in ihm die Lust wecken, diese oder ähnliche Kleider zu kaufen. Anregend steht beim Mann schon „Ich freu mich drauf!“. Ein vergoldeter Rahmen suggeriert außerdem etwas Wertvolles, Einzigartiges, das mit einem schönen Erlebnis verbunden wird und sich wie eine unvergessliche Erinnerung einzurahmen und aufzustellen lohnt.

Was in der Abbildung nebeneinander dargestellt wird, sind in Wirklichkeit die Vorder- und die Rückseite ein und desselben Objektes. Daher rührt auch die unterschiedliche Farbwiedergabe, welche einen wirklichkeitsgetreuen Eindruck weiter verfälscht. Dennoch. Das zur Schau-Stellen dieser beiden Werbenden hat exemplarischen Charakter. Lassen sie nicht an Adam und Eva denken, die dem Werben der Schlange erlegen sind? Hier sind die Rollen umgekehrt. Hier wollen Mann und Frau zum Besitz eines Gutes verführen, das dem Käufer neue Eigenschaften verleiht: gutes, ja blendendes jugendliches Aussehen, Kraft und Selbstwertgefühl, ein Erlebnis. Fast wie ein Spiegel wird allen vor Augen geführt, wie er aussehen kann und was die Kleider aus ihm machen, wenn er sie kauft.

In Holz geschnitzt und von einem Goldrahmen umgeben, erhalten die beiden Models die Aura von profanen Heiligendarstellungen. Sie werden in der Öffentlichkeit gezeigt, damit Suchende nach Identität und Sinn sich an ihnen orientieren und durch Kleidung und Verhalten ihnen nacheifern.

Nicht zufällig hat der Künstler für das weibliche Model die Künstlerin Madonna gewählt, die allein schon durch ihre Lieder und Inszenierungen viele Anhänger und Verehrer hat. Weiblich betont gibt sie sich selbstbewusst und gleichzeitig kämpferisch. Sie behauptet ihren Platz und füllt den Raum über den gegebenen Rahmen hinaus aus. Sie ist ja ein Star.

Der Mann auf der Kehrseite setzt seinen Sexappeal ganz anders ein. Mit dem Freiraum zu beiden Seiten seines Körpers und der betonten Männlichkeit scheint er eine Einladung auszusprechen. Hier ist noch Platz für dich, um mit mir Abenteuer zu erleben. Wann kommst du? Ich warte auf dich! „Ich freue mich darauf!“ kann sich somit nicht nur auf die Badehose beziehen, sondern auch auf Erlebnisse und Vergnügen, welche sie ermöglicht.

Kleider machen auch heute noch attraktive Leute! Aber muss es darüber hinaus nicht um die Person selbst gehen: um die Wertschätzung ihrer individuellen Eigenschaften, Gefühle und Fähigkeiten, die sie einzigartig machen? Macht nicht das die wahre Ausstrahlung und Attraktivität von Persönlichkeiten aus?

Ein dickes i in einem Kreis zeichnet die Plakatvitrine als Informationspunkt aus. Doch welche Informationen werden uns da vermittelt? Sollen die Dargestellten Vorbilder sein, denen man mit seinem Leben folgen kann? Sehen so moderne Heilige aus? So werfen diese beiden Idole die religiöse Frage auf, was für Informationen von heutigen Heiligendarstellungen erwartet werden. Was haben sie zu bieten? Denn Heilige werben ja auch ... wenn sie auf Gott verweisen, der sich ihnen offenbart und an ihnen – in gewisser Weise wie an Maria – Großes getan hat. Nicht Großes durch das Geschenk von schönen Körpern oder verführerischen Kleidern, sondern in der Stärkung der Persönlichkeit aus der personalen Zuwendung und Liebe heraus.

Patrik Scherrer / 27.09.2008


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