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Herbert Falken

Gitterkopf
1993

Aquarell, 100 x 70 cm
© Herbert Falken


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Sehnsucht nach Gott

Ein tiefes Grau umrahmt eine von schweren breiten Strichen durchkreuzte hellere Fläche. Wie in einer Höhle erkennt das Auge mit der Zeit die suchenden Spuren des Pinsels, die noch und noch die helle Mitte umkreisten. So wie der Künstler das Bild gemalt hat, sieht er sich selbst im Dunkeln stehen, in einem Raum, der von Nacht erfüllt ist. Er – und mit ihm der Betrachter – sieht das Licht, aber der Zugang ist durch querstehende Objekte, von denen das oberste eine Art Kreuz bildet, verstellt.

Dunkelheit und Licht, Innen und Außen, Eingesperrtsein und Freiheit werden hier angesprochen. Die Sehnsucht nach Licht und Freiheit kommt zum Ausdruck, letztlich die Suche nach Gott. Tatsächlich bewegten die Gedanken des spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz den Maler Herbert Falken, genauer gesagt sein Gedicht: „In dunkler Nacht“.

In unzähligen Aquarellen rang der Künstler und Theologe um eine malerische „Übersetzung“ dieser Sehnsucht der Seele nach Vereinigung mit Gott. Um Gott im ewigen Licht wissend, sucht ihn die Seele tastend durch alle Schwierigkeiten dieser Welt hindurch. „Wo der Kleinglaube nur Finsternis sieht, erkennt das Auge des Glaubens die Rückseite von blendendem Licht: Gottesfinsternis als Gotteserscheinung, Gottes-Entzug als sein Da-Sein in der Gewalt-Welt mit ihrenKreuzigungen, Abwesenheit als Realpräsenz. Im bildlosen Raum des Bildes, im lichterfüllten Abgrund die Helle, im Verstummen das Wort.“ (Gerhard Fuchs, Zur Mystik der Nacht, in: Falken, DG München 1994, S. 6)

Den Schmerz und die Welt nicht fliehend, geht sie glaubend in dunkler Nacht einen kreuzwegähnlichen Weg des Leidens an Gott und der Welt. Dabei vergittert und versperrt das Kreuz den Zugang zur Freiheit und zum Licht nicht. Wie ein Schlüssel öffnet das Kreuz vielmehr den Weg zur Auferstehung. Paulus beschreibt diese Wandlung zum neuen Menschen kurz und bündig: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,19f)

Um so ein Mensch zu werden – ein für Gott und die Menschen ganz durchlässiger Mensch – genügen weder Taufe noch das Erfüllen vieler Riten und Gebote. Die Vollendung gleicht vielmehr einer Geburt zum Licht, der oft eine (lebens-) lange Zeit des Reifens, Werdens und Verwandelns in der „Gottferne“ vorausgeht.

Patrik Scherrer / 02.10.2004


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