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Nicole-Félicia Brémond
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L'eau prend la forme de l'eau , 2007

Mischtechnik auf handgeschöpftem Papier,
3. von 3 Zeichnungen, 30 cm x 42 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
 
Lebensträger

Sparsame Linien und Grautöne bringen die Oberfläche dieses Blattes leise zum Sprechen. Eine tiefe Ruhe liegt in zwei der angedeuteten Formen: dem menschlichen Kopf links und dem rechts neben, über und hinter ihm sich entfaltenden Rechteck, das durch die hauchzarte Lilatönung Weite andeutet und sich durch die auslaufende Farbe nach unten offen gibt. Seiner Darstellung nach ist der Kopf nach hinten geneigt. So ist er dem rechteckigen Feld zugewandt und erscheint in einem engen Austausch mit diesem Gegenüber, das durch seine Proportionen auch an ein Fenster oder eine Türe denken lässt, beides Raumöffnungen, durch die ein Austausch stattfindet zwischen Außen und Innen ...

Kopf und Rechteck überlagernd und verbindend hat die Künstlerin als drittes Element langgezogene Kreise in die Komposition eingezeichnet. Ihre diagonale Anordnung auf Mundhöhe bringt Dynamik in die Komposition hinein. Damit wird eine intensive und lebendige Beziehung zwischen menschlichem Innen- und Außenraum suggeriert, wie sie etwa dem Atem zukommt. Aber auch dem Wort, dem Gedanken, der Empfindung …

Mit feinen Mitteln wird hier Existenzielles angesprochen. Der Mensch lebt nicht aus sich heraus, sondern im Austausch mit dem ihn umgebenden Licht, der Luft, der Wärme, dem Wasser, den Nahrungsmitteln, den umgebenden Menschen, ja der gesamten Natur. Diesbezüglich sind wir wie alle Geschöpfe abhängige Wesen, deren Leben sich auf einer sehr schmalen Basis bewegt. Wenn die Künstlerin der Arbeit den Titel “Das Wasser nimmt die Form des Wassers“ gibt, schwingt etwas von dieser existenziellen Abhängigkeit mit. Im Gegensatz zum Aschekreuz am Aschermittwoch, das die Menschen zeichenhaft an ihre allzu gern verdrängte Vergänglichkeit erinnert, wird hier der Mensch als Lebensträger dargestellt, der zu dem wird, was er aus seiner Umgebung in sich aufnimmt. Beispielhaft wird durch die Künstlerin das Wasser angesprochen, das auch im Körper des Menschen seine Form beibehält. Und ebenso verändert und formt der Einzelne seine Umwelt, seine Mitmenschen.

Keine leichte Aufgabe. Die Unterscheidung zwischen dem, was gut tut, und dem, was uns schadet, ist beim undurchschaubaren Angebot schwer. Hat der angedeutete Mensch vielleicht deshalb den Kopf nach hinten geneigt, weil er sich erwartungs- und hoffnungsvoll Hilfe und Beistand erhofft?

Patrik Scherrer / 28.02.2009


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