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Helmut Loder
[Künstlerwebsite]

goldene stille
2006

Acryl, Leinwand, Blattgold,
80 x 100 cm

© beim Künstler

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Erholung

Große Einfachheit zeichnet dieses Bild aus. Abstraktion, denn die Farbfelder lassen die Erkennung eines konkreten Gegenstandes nicht zu. Ist es deswegen ein geistiges Bild? Seine Struktur ist uns nicht unbekannt. Nicht nur von Mark Rothko, der als erster in dieser Weise große Arbeiten malte. Im Bild können sich vielfache Erfahrungen aus unserem Leben spiegeln.

Da ist eine markante waagrechte Trennung zwischen Unten und Oben, wie wir sie auch in der Natur in der Trennung von Erde und Himmel erfahren. Die Horizontale erinnert an flache Landschaften wie große Ebenen, Wüsten oder den Meeresstrand. Ihnen wohnt eine besondere Weite und Ruhe inne. Es sind für Körper und Seele erholsame Orte, weil wir an ihnen Freiheit erfahren und tief durchatmen können. Da ist von der kleingliedrigen und ermüdenden Alltagsstruktur nichts mehr zu spüren.

Die horizontale Linie, sie ist selbst dreigeteilt, lässt auch die Erfahrung des Liegens, des Entspannens und Ausruhens spüren, die wir täglich brauchen. Sie findet ursprünglich auf dem Horizont statt, an der Grenze zwischen Erde und Himmel. Aber im Schlaf geben wir uns ganz der Erdkraft hin, und öffnen uns doch der Unendlichkeit über uns. Im Urlaub suchen wir oft ähnliche Erfahrungen: Orte und Situationen, in denen wir dem Alltag entfliehen, dabei Körper und Seele hängen lassen und gleichzeitig auftanken können.

Die helle Linie spricht weiter eine Dualität an: eine Dies- und Jenseitigkeit, ein Hier und Dort, ein Jetzt und ein Danach. Beide sind voll und ganz gegenwärtig, gehören zusammen. Mal mag der eine Teil größer sein oder mehr Raum im Leben einnehmen, mal der andere. Aber so wie die Horizontale proportional im goldenen Schnitt des Bildes liegt, suchen wir bei der Erholung – egal, wie sie umgesetzt wird – das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Lebensbereichen zu stärken, ihre Harmonie wieder herzustellen.

Wie der obere Bereich mehr Platz im Bild einnimmt, gibt man bei der Erholung dem Ersehnten, dem Wohltuenden mehr Raum und Zeit. Seine goldene Farbe mag andeuten, dass Erholung in jeder Form (Urlaub, Auszeit, Feierabend, Pause) eine heilige Zeit ist. Sie ist kostbar und verlangt einen wertschätzenden Umgang. Ebenso ist das Geheimnis dieser ganz anderen Zeit- und Lebenserfahrung spürbar, das Göttliche in ihr.

Dieser obere, lichte Farbraum, in dessen Zeichnung man auch eine Kreuzform, ein Gesicht, ja göttliches Leben ahnen kann, lässt den unteren, sich vom Hintergrund nur schwach abhebenden roten Bereich, der für uns Menschen und unseren Lebensraum stehen mag, ganz anders wahrnehmen. Geerdet strahlt er eine wohltuende Ruhe aus. Nicht nur in der Vision des ganz anderen, sondern in seiner gegenwärtigen Erfahrung spricht lebendige Stärke aus ihm, Lebenskraft.

Patrik Scherrer / 08.08.2009


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