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Monika Funke-Stern
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Verkündigung , 2007

digitale Fotografie, © bei der Künstlerin
 
Auf Empfang sein

Zwei aufeinander gerichtete Mobiltelefone – ein vertrauter Anblick in unserer Zeit. Sie stehen für die mobile und individuelle Kommunikation schlechthin. Kaum jemand kommt bei uns noch ohne sie aus, weil geradezu erwartet wird, jederzeit erreichbar zu sein oder andere erreichen zu können. Und wenn es nur wie in unserem Bild in Form von Kurzmitteilungen, den sogenannten SMS, ist. „Ave Maria gratia plena“, steht auf dem Display rechts oben (Detailbild). „Siehe ich bin die Magd des Herrn“ ist auf dem Display links unten zu erkennen (Detailbild). Eine ungewöhnliche Kommunikation, bei der schon die verschiedenen Sprachen auf ein interkulturelles Geschehen hinweisen.

Wer sind die beiden Personen, die so miteinander kommunizieren? Was lässt sich allein aus der Anordnung der beiden Mobilteile über Sender und Empfänger der ungewöhnlichen Botschaft aussagen? Zuerst lässt sich feststellen, dass beide die gleichen Geräte benutzen und mit dem gleichen Provider zusammenarbeiten. Dann zeigt die Empfangsbereitschaft beider Geräte maximale Stärke an, so dass von den besten Voraussetzungen für eine gute Verständigung gesprochen werden kann.

Der Mobilteilnehmer rechts oben scheint der Initiator des Austausches zu sein. Die kleinere Abbildung des Handys lässt auf seine Ferne schließen, die Anordnung auf der Höhe des Bergkammes und das Licht auf dem Mobiltelefon auf jemand, der aus der Höhe und im Licht agiert. Eine schöne Umschreibung für Gott, von dem gesagt wird, dass er in den Bergen wohnt (Ps 121), und zu dem gebetet wird „Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten! (Ps 4,7). Aus der Höhe zeigt er sich der Erde zugewandt.

Konkret neigt er sich dem Menschen unten links zu, die er mit dem Namen Maria anspricht. Eine geerdete Person. Jemand, der seinen Blick zu Gott erhebt, in Empfang steht mit dem Höchsten.

Zwischen ihnen sind Dornengestrüpp mit weißen Blüten und eine karge Wüsten- oder Berglandschaft auszumachen, dazu verbreiten Nebelschwaden eine geheimnisvolle Aura. Jedes einzelne dieser Bilder mag Geschichten erzählen und vielleicht auch ein bisschen an das Adventslied „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ erinnern.

Aber sind nicht wir alle auf einem ähnlichen Weg wie Maria? Bewegt uns nicht Sehnsucht, Schmerz und Hoffnung auf unserem Weg zu Gott? Wir kennen die Erzählung vom Engel, der Maria mitteilte, was Gott mit ihr vorhat und ihr Einverständnis holen wollte. So oft schon haben wir die Erzählung gehört – und trotzdem blieb Maria recht weit von uns entfernt. Vielleicht weil zu uns niemals ein Engel kam? Im Bild von Monika Funke-Stern ist Maria uns ganz nah, obwohl man nur einen Daumen und einen Zeigefinger von ihr sieht. Sie ist modern und empfangsbereit dargestellt, so wie wir es mit unserer technischen Ausrüstung auch sein wollen. Aber sind wir es auch mit unseren Herzen? Maria hat auf die ungewöhnliche Anrede ihre Antwort geschrieben und wartet nun auf das, was kommen mag. Sie ist in Erwartung des Kommenden ...

Wenn auch keiner von uns eine solch gewaltige Aufgabe bekommt wie die biblische Maria, so spüren wir vielleicht doch ab und an den Imperativ, etwas ganz Bestimmtes zu tun, eine Aufgabe zu übernehmen, an die wir gar nicht gedacht hätten. So, als käme dieser Ruf von weit her. In der Mitteilung im Bild ist kein Inhalt genannt – es kann so vielerlei sein. Aber ebenso wie der Engel Symbol ist für eine Botschaft aus einer anderen Welt, so kann das Handy ein zeitgemäßes Symbol für dasselbe sein. Wichtig ist die Empfangsbereitschaft, die Offenheit für das Unerwartete.

Patrik Scherrer / 28.11.2009


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