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Susanna Storch
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Terror of War II, , 2007

160 x 240 cm, Acryl auf Leinwand, © bei der Künstlerin

 
Allein

Was hier wohl geschehen ist, dass sich der Junge setzen musste und seinen Kopf in den Händen verbirgt? Ist etwas eingestürzt, was als haltbar galt? Ereignete sich ein kriegerischer Angriff, eine Bombenexplosion, die sein Zuhause zerstört hat? Oder hat sich die Erde bewegt, eine Naturkatastrophe stattgefunden? Aus dem Bild ist nicht zu ersehen, ob die Zerstörung vor kurzem geschah oder schon länger zurückliegt. So etwas wie die großen Gräser zwischen den Trümmern könnten auf Letzteres hindeuten. Andererseits könnten die Farbläufe auch einfach auf etwas Zerrinnendes hinweisen – einen Traum vielleicht, eine Lebensvision von einer heilen Familie, ein intaktes Zuhause.

Derzeit scheint es keinen Weg aus dieser Katastrophe zu geben. Wie der Hintergrund es andeutet, muss es im Jungen drin Dunkel sein, ein undurchdringliches Dickicht. Die Verzweiflung spricht aus seinem ganz in sich gekehrten Körper. Dadurch mag er auch den breiten Weg hinter sich nicht zu sehen, der, von der Sonne beschienen, zumindest ein Stück weiter führen könnte.

Der auf dem Boden zusammengekauerte Junge bildet einen seltsamen Gegensatz zu seiner Umgebung. In seiner äußerlichen Unversehrtheit erscheint er unwirklich in dem verwüsteten Umfeld. Aber aus seiner Haltung spricht die seelische Verstörtheit und Zerstörung durch das, was hier geschah. Er wehrt es von sich, er will und kann es nicht sehen, zumindest jetzt noch nicht. Keine Angehörigen stehen ihm bei, kein Hab und Gut ist zu sehen. Nur das Leben scheint ihm geblieben. Aber mit dem weiß er momentan nichts anzufangen.

Das Bild ist so anrührend, dass man beinahe das Bildhafte vergisst, um ihm beizustehen, wortlos bei ihm zu sein, damit er nicht so zurückgeworfen ist in die Einsamkeit und in die zerstörte Natur. Er wird viel Zeit brauchen, bis die Zerstörung überwunden, die Wunden verheilt sind, das Leben wieder ein Fundament gefunden hat, auf dem es sich entfalten kann. Er wird viel Zeit und viele Helfer brauchen, bis es auch auf seinem Lebensweg wieder licht wird und sich der Horizont wieder weitet.

Patrik Scherrer / 30.01.2010


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