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Hans Reitbauer
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Geben und Empfangen , 2009

40 x 40 cm, Polimente, Eitempera, Blattgold und Transparentfarben auf Holz
© beim Künstler
 
Geben und Empfangen

Auf einem geradezu glühenden Quadrat begegnen uns vordergründig zwei aufeinander zugeordnete Zeichen: das Untere u-förmig offen, bergend; das Obere schwebend, astförmig ausgreifend. Das untere Zeichen streckt sich außen dem Oberen entgegen, das obere Zeichen taucht mit drei Ausformungen in den Bereich des Unteren ein. Die weiße, stellenweise ins Braun wechselnde Farbe gibt den Zeichen vor dem gelb-rötlichen Hintergrund etwas Körperliches, Materielles, Hölzernes. Während im Hintergrund durch die Holzstruktur und die Farbe das Leben pulsiert, sind die beiden Zeichen eher von fahler Vergänglichkeit geprägt.

Was sie wohl darstellen mögen? Das untere Zeichen gleicht einer Schüssel, einem nach oben offenen Gefäß. Das obere Zeichen hat eine waagrechte Ausrichtung, aus der die drei Ausformungen fingerförmig diagonal nach unten weisen. – Eine stilisierte Hand, die von oben her in die Schüssel greift? Oder deutet die U-Form vielleicht auch zwei offene Hände an?

In der Mitte dieser Begegnung lässt sich ein geradezu unscheinbares drittes Symbol beobachten. Goldfarben und kugelförmig befindet es sich genau in der Mittelachse des Bildes. Majestätisch schwebt die Kugel in und über der U-Form und macht den Eindruck von Erhabenheit. Wurde die goldene Kugel von oben in das Gefäß hineingelegt? Oder bieten die unteren Hände dieses kostbare Unendliche dem über ihm an? Auch scheint das obere Zeichen wie mit Zeigefinger und Daumen nach diesem runden Zeichen greifen zu wollen. Der Bildtitel könnte „Geben und Nehmen“ heißen? Doch der Künstler hat sich für „Geben und Empfangen“ entschieden.

Diese Bildbezeichnung ist offener. So schwingt im Geben und Empfangen der Aspekt der Freiheit mit. Da wird keiner zum Verlierer oder zum Gewinner. Da ist eher ein wechselseitiger Austausch zu beobachten, ein ausgeglichenes und stetes Hin und Her von Anbieten und Entgegennehmen. Hier wird eine Grundhaltung thematisiert, die etwas Großes, ja Göttliches an sich hat. Aus dem Dunkel heraus leuchtet diese Weisheit auf und will sich glühend in unser Herz einbrennen. Diese Ikone göttlichen Handelns vermag uns zu lehren, dass Austausch nach gerechten Grundsätzen zu erfolgen hat. Das lässt sich unendlich lange und immer wieder meditieren - in allen Lebensbezügen.

Patrik Scherrer / 13.02.2010


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