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Maria Maier
[Künstlerwebsite]

TB Farbraum 6
2006

Acryl und Öl auf Kupferdruckkarton
10 x 15 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Blick in die Weite

Geometrisch abstrakt ist dieses Bild aufgebaut und so würde es auch wirken, wenn der Pinselstrich nicht sichtbar wäre und feine Unregelmäßigkeiten aufweisen würde. Anders als die deckende Flächenfüllung eines Piet Mondrian hat Maria Maier mit transparenten Farben gearbeitet. Dadurch sind Schichten entstanden, haben sich Durchsichten ergeben, Raumtiefe. Seit Jahren hält sie so tagebuchartig Stimmungen und Eindrücke mit einfachen Farblegungen fest. Einsichten und Empfindungen erhalten dadurch eine neue Fassung, einen neuen Ausdruck.

Was die Künstlerin bei diesem Bild wohl bewegt haben mag? Das Aquarell füllt sich von außen nach innen mit Farbe. Nur im unteren Drittel ist ein Rechteck frei geblieben. In seiner weißen Erscheinung gründet die größte Raumtiefe. Die blauen waagrechten Flächen darunter und darüber geben ihm eine lichte Weite; begrenzt wie vom Wasser des Meeres und einem Stück Himmel. Doch dazwischen … nahezu Unendlichkeit!

Während ganz unten ein schmaler blauer Streifen den Grund der Komposition bildet, nimmt oben ein mit Blau versetztes Violett über ein Drittel der Bildfläche ein. Mystisch mag es das geheimnisvoll über allem Waltende und durch alles Wirkende bezeichnen.

Vertikale Farbbahnen überlagern im rechten Winkel und goldenen Schnitt die horizontalen Farbflächen der ersten Farbschicht. Dunkelgrau wäßerig links, ockerfarben golden rechts, verdecken sie wie ein halb zurückgezogener Vorhang das Dahinterliegende. Gleichzeitig geben sie den Blick frei – und verstärken ihn noch – auf die asymmetrisch leicht verschobene Mitte mit ihren klaren lichtdurchdrungenen Farben.

Aus den farblich getrübten und verfremdeten seitlichen Überlagerungen wird das Auge so Stufe um Stufe in die Bildtiefe hineingeführt. Der Blick durch die Mitte läßt harmonische Schönheit wahrnehmen, Reinheit. Eine mystische Schau. Nicht hoch angelegt, sondern unten, auf der imaginären Augenhöhe von kleinen Leuten. Dieser gewaltige Ausblick soll allen möglich sein. Alle sollen aus ihm Kraft schöpfen können.

Patrik Scherrer / 03.06.2010


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