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Andrea Maria Piwecki
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Das Wort
2009

Gouache und Acryl auf Bütten, 60 x 80 cm, © bei der Künstlerin


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Das Wort

Es ist als solches nicht zu erkennen, das gezeigte Wort. Doch im Focus des Betrachters steht, den Horizont schneidend, ein weißer Kreis. Und hinter ihm erhebt sich eine Diagonale, die knapp vor dem oberen Bildrand aufhört, um in einer weiteren Schrägen rechts unten mit einem roten Sechseck zu enden. Das sind Zeichen, aber sind es auch Schriftzeichen? Ergeben sie ein Wort, ja das Wort?

Am Anfang war das Wort, schreibt der Evangelist Johannes in seinem Prolog. Es ist vom Himmel gekommen, die Wesensmerkmale des „Himmels“ in sich tragend: göttliche Vollkommenheit, ewiges Licht, ohne Anfang und ohne Ende zu sein wie ein Kreis. Doch gleichzeitig ist es zur Erde gekommen, eingetaucht in unser Dunkel, Mensch geworden mit Anfang und Ende, allen Charakteristika der Vergänglichkeit.

Das Licht vom Himmel leuchtet in eine graue Welt, Freiraum schaffend, ja einen Durchgang. Das lichte Wort, Jesus, ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, er ist die enge Tür, die in die Weite führt.

Sein Wort ist Orientierung und Maßstab, scheidet in gut und verwerflich, bewirkt Leben. Er schafft die vor und nach ihm gesprochenen Worte nicht ab, er erfüllt sie und die daraus neu entstandenen Gesetze. Er ist das Alpha und das Omega, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Aus seinem Mund kam das erste, die Welt erschaffende Wort, ihm wird das letzte, die Welt richtende Wort zugesprochen. Sein Wort ist vollkommen. Groß und mächtig steht es zwischen Himmel und Erde. Es ist ein menschliches Wort, ein für uns verständlich gesprochenes Wort, das deshalb seine Fundamente tief in die Erde gerammt hat. Und da haben es auch die Verwundungen der Welt erfasst. Wie ein vom Druck der Erde gehärteter Edelstein leuchtet im roten Sechseck die einzige Farbe im Bild. Es erinnert an das Leiden Jesu: seine Verurteilung durch die vielen menschlichen Worte, das blutige und tödliche Festnageln am Kreuz, seine Grablegung, aber auch seine Auferstehung von den Toten sind herauszuspüren aus dieser klar umrissenen Form.

Gottes Wort hat durch Jesus eine feste Verankerung auf der Erde, die symbolisch für die Erde unserer Herzen steht. Ihm bietet es Perspektive und Orientierung, die über den Horizont hinausgehen, ja den Blick für das Überirdische, Metaphysische und Göttliche öffnen.

Patrik Scherrer / 28.08.2010


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