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Johann P. Reuter
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Ohne Titel (Werk-Nr. 1242) , 2005

Acryl auf Leinwand, 130 x 130 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
 
Stiller Klang

Still und zurückhaltend gibt sich dieses Bild dem Auge des Betrachters. Erste Orientierung geben zwei schwarze vertikale und eine horizontale Linie sowie ein rotes Quadrat. Um sie herum ein Spiel von pastellfarbenen Vertikalen.

Doch dann vermag man im durchgehenden rosafarbenen Band über dem roten Quadrat, geradezu behütet von den zwei schwarzen Vertikalen, eine schwebende Mandelform zu erkennen. Ihre Präsenz gibt sich geheimnisvoll in dem nach oben offenen Gefäß in der Mittelachse. Durch seine ungleich geformten Seiten hat es etwas Lebendiges an sich. Wie zwei lange Fühler durchqueren sie das Bild und assoziieren etwas Horchendes und doch auch Tastendes, das genau so flüchtig ertönt wie der Ton aus den Schwingungen der beiden Zinken einer überdimensionalen Stimmgabel.

Gehalten, ja zusammengehalten beziehungsweise stabilisiert werden die beiden Senkrechten zum einen durch den quadratischen Block, zum anderen durch die Waagrechte, die einem wie eine Balancierstange eines Seiltänzers vorkommen kann.

Doch scheint es im Bild weniger darum zu gehen, über etwas zu schreiten, als vielmehr mitten in einem feinen Geschehen, manchmal rätselhaften Geschehen Orientierung zu erhalten. Die seitlichen Waagrechten könnten auch für Episoden, für kleinere oder größere Abschnitte im Lebenslauf stehen. So wie sie die seitlichen Vertikalen kreuzen, vermitteln sie das Gefühl, dass hier ein Rhythmus durchdrungen und erspürt wird. Von der Mitte aus, vom roten Quadrat, das allein von seiner Farbe und Position her als Sitz des Lebens und der Liebe gedeutet werden darf.

Wenn sich darüber und zwischen den beiden schwarzen „Wahrnehmungsfühlern“ die Mandorla manifestiert, dann gleichsam als geistiger Raum, als wunderbare Erscheinung von etwas Unfassbarem und Erhabenen in der Mitte des Erspürenden und Wahrnehmenden selbst.

Patrik Scherrer / 29.01.2011


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