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Detlef Mittag
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Folge du mir nach! , 2007

JOHANNES 21,22 aus dem Zyklus 12 x 1, 60 x 60 cm, Acrylfarben, Steinpulver und Farbstifte auf Spanplatten mit Maltuch kaschiert, © beim Künstler
 
Den richtigen Weg finden

Sieben farbige Kreise umgeben einen goldenen Mittelpunkt. Die Farb- wie die Richtungswechsel der Linien faszinieren. Veränderung wird da spürbar. Je nachdem, wie man schaut, können die Kreise auch treppenförmig in die Tiefe hinunter oder auf einen Kegelspitz hinaufführen. Entscheidend ist meine Sichtweise.

Ebenso geht es mit dem Zugang zur Mitte. Er ist auf der linken Seite des Kreises in Form einer dynamisch aufsteigenden Diagonale angeordnet, die sich aus den Kehrtwendungen der farbigen Linie ergibt. Doch welches ist der Eingang zur Mitte? Ist der lehmbraune Hintergrund die Gehfläche, so würden sich gleich zwei Zugänge und zwei Verzweigungen zwischen den farbigen Begrenzungen ergeben. Aber alle endeten früher oder später in Sackgassen, denn nur der direkte Weg hinter dem rechten Zugang führte zur Mitte.

Bei dieser Sichtweise stellt sich unweigerlich die Frage, ob dieser von siebenfach geschützte goldene Mittelpunkt so leicht zugänglich sein kann. Schließlich stellt er in seiner goldenen und runden Eigenschaft etwas sehr Kostbares und für die meisten Menschen Unerreichbares dar. Und doch, so wie sich die goldene Mitte frei im Innenraum befindet, auf der gleichen Ebene wie der Hinter- oder der Untergrund, bietet sich visuell diese Möglichkeit des Zugangs. Wer die Kraft dieses goldenen Mittelpunktes spürt, der wird nicht lange Umwege machen wollen, sondern so schnell wie möglich die größtmögliche Nähe dieser Kraftquelle suchen.

Von oben betrachtet und der Mitte ausgegangen wird jedoch sichtbar, dass die farbige Linie der einzige Weg ist, der direkt auf den Mittelpunkt zuführt. In sieben Kreisen umrundet ihr Lauf die Mitte, bis sie unmittelbar vor ihr endet – allein schon durch die Anzahl ein geradezu heiliges Ritual.

Dieser eine Weg hat den Vorteil, dass es unmöglich ist, sich zu verirren. Dadurch wird er einem aber nicht leichter gemacht. Die Wegführung wirkt manchmal gar zermürbend. Relativ schnell vermag man das erste Drittel bis zur Mitte vorzudringen. Doch dann beginnen die Seitenbewegungen. Hin und her führt der Weg über drei Wendungen an den Rand und zum Anfang zurück. Dieser Wegbereich ist durch die Farbe Magenta geprägt.

Ein weiteres diagonales Wegestück führt zu den nächsten drei Rundungen. Sie sind in der Grundfarbe Cyan gehalten. Die äußerste von ihnen bildet gleichzeitig die mittlere der sieben Umrundungen. An ihrem Ende führt sie nach einer Linksbiegung in die unmittelbare Nähe des goldenen Kreises, aber auch an ihm vorbei. In der roten Farbe ist erstmals die Kraft der goldenen Mitte erfahrbar. Was muss von dieser goldenen Mitte für eine Energie ausgehen, dass der in ihre Nähe Kommende wie von einem immateriellen Feuer ergriffen zu glühen und brennen beginnt?

Doch der Weg führt wieder von der Mitte weg. Erst nach zwei weiteren Umrundungen schwenkt er direkt auf sein Ziel zu. So abrupt wie er draußen begonnen hat, hört er vor dem kleinen goldenen Kreis auf. In der unmittelbaren Begegnung mit der goldenen Mitte flammt die rote Farbe wieder auf. Sie lässt spüren: der Weg war nicht vergebens. Angesichts des mühsam Gesuchten, des ganz Anderen, geht seine unendliche Kraft auf den über, der den Ruf der Mitte angenommen und bis zu ihr durchgehalten hat. Verweilen wird angesagt sein, bevor der Weg dann wundersam gestärkt von innen nach außen gegangen werden kann. Erfüllt von der Begegnung mit ihm wird man als Verwandelter in den Alltag zurückkehren und dort allein schon durch die persönliche Ergriffenheit sein Dasein in unserer Mitte verkünden.

Alle Bilder aus diesem Zyklus 12 x 1

Patrik Scherrer / 21.01.2012


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