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Gabi Weiss
[Künstlerwebsite]

Zehn Gebote, 5. Gebot: Du sollst nicht morden.
2012

40 x 80cm
Acryl auf Leinwand
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

[weitere Werke (3)]
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Leben erhalten und schützen

Gegensätze formulieren dieses horizontal geteilte Bild. Leuchtende Gelbtöne bilden das Oben, undurchdringlichem Schwarz das Unten. Sie sind als heller und dunkler Bildbereich dargestellt. Allein die Menschendarstellungen in je zwei Erzählungsreihen verbinden die beiden Bildhälften. Doch auch sie sind unterschiedlich dargestellt. Oben bilden die Menschen Zweier- oder Dreiergruppen, einander zugewandt, während sie im unteren Bereich allein oder einander gegenüber dargestellt sind.

Die hellen und warmen Farben ziehen den Blick zuerst in die obere Bildhälfte (Detail). Links oben sind eine Frau und ein Kind einem sitzenden, vornüber geneigten Menschen zugewandt. Er scheint verzweifelt zu sein, die beiden versuchen ihn zu trösten. Daneben liegt ein Mensch im Krankenbett, an medizinische Geräte angeschlossen. Eine Frau steht an seinem Krankenbett, ist ihm zugewendet, steht in Dialog mit ihm. In der Reihe darunter steht links ein Mann, der in seinen Armen ein Neugeborenes hält. Sein Kopf ist geneigt, das Kind betrachtend, liebend. Daneben drei frontal dargestellte Kinder oder Jugendliche. Ihre Köpfe und Kopfhaltungen signalisieren ein ungewöhnliches Denk- und Körperverhalten. Sie halten sich an der Hand, sie stehen zusammen, geben einander Halt.

Die vier Menschengruppen bilden eine Aussage. Niemand wird allein gelassen, niemand ausgestoßen. Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben. Dieses Leben ist die Grundlage der Gemeinschaft, der Freude. Aus der Zuneigung entsteht Vertrauen, Freude wächst, Frieden folgt.

Im schwarzen Bereich sind die Menschen nur mit weißen Konturen dargestellt (Detail). Oben links steht ein Jugendlicher geknickt und mit auf dem Rücken verschränkten Armen vor zwei Männern. Der eine zeigt auf ihn. Die offenen Münder machen deutlich, dass die beiden anklagend über ihn reden. Daneben stehen sich zwei Soldaten in Schutzmasken und mit erhobenen Waffen gegenüber. Krieg … unter Umständen werden beide sterben. Ganz rechts ein Mensch, der seinem Leben bewusst ein Ende gemacht hat – Selbstmord durch Erhängen. Links unten gibt eine Frau einem darniederliegenden Mann eine Spritze. Aus dem Kontext ergibt sich, dass er den Wunsch zum Sterben hat und sie ihm dabei hilft. In der mittleren Darstellung wird ein Embryo durch einen stabähnlichen Gegenstand von außen bedroht. Damit wird auf die gängigste Abtreibmethode durch Absaugen hingewiesen. Rechts davon sitzt ein Mann auf dem Elektrischen Stuhl. Er ist wegen seiner Verbrechen zum Tode verurteilt worden.

Diese sechs Einzelbilder weisen darauf hin, dass auch in unserer Zeit täglich Tausende von Menschen umgebracht werden oder sich selbst das Leben nehmen. Es ist die dunkle, bedrohliche Seite des Lebens, die deutlich macht, wozu wir Menschen fähig sind. Dies trotz des Jahrtausende alten Gebotes „Du sollst nicht töten“ (Dtn 5,17), auf das Gott das Volk Israel und seine Nachkommen in den Zehn Geboten verpflichtet hatte, dies trotz dem im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verankerten Grundrechts auf Leben Art. 2 Abs. 2 : „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“

Doch gerade weil das menschliche Leben so verletzlich ist, muss es geschützt werden. Die Zehn Gebote erinnern immer wieder an die wesentlichen Werte, die jedem menschlichen Miteinander zu Grunde liegen und an denen sich unser Tun messen und beurteilen lassen muss. Das Verbot zu töten ist letztlich ein Gebot, das Leben in jeder Form zu achten, zu schützen und zu erhalten. Es ist ein Angebot zum Glück.


Gabi Weiss hat zu allen zehn Geboten Bildtafeln geschaffen, die mit Texten von Theresia Hafen zusammen wertvolle Grundlagen für Überlegungen zur gegenseitigen Wertschätzung und Rücksichtnahme bilden und ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Das Kartenensemble im Format Din A 5 kann auf der Website der Künstlerin angeschaut und zum Setpreis von 8.- € bestellt (Bestellformular) werden.

Patrik Scherrer / 19.01.2013


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