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Thomas Werk
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Auferstandener
2013

Keramik vergoldet, glasiert, ca. 15 cm hoch
© VG Bild-Kunst, Berlin 2016


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Auferstehende

Goldbraun wendet sich die angewinkelte Figur dem Betrachter zu. Ihre Gestalt scheint nur mit den Fingern bearbeitet, bzw. aus dem Ton herausgearbeitet. So ist wohl eine Menschenähnlichkeit entstanden, aber in Ermangelung von Details eine eindeutige Zuordnung unmöglich.

Dennoch lässt sich im Vergleich zu uns Bekanntem andeutungsweise von einem Menschen sprechen. Allerdings wirkt die Figur dann unförmig, ungelenk, unfertig. Auch ihre angewinkelte, halb gebeugte, ein Stück weit auch verdrehte Erscheinung entspricht nicht unserem Schönheitsideal. Sie erinnert – genauso wie ihre Beschaffenheit aus Ton – vielmehr an unsere Gebrechlichkeit und Vergänglichkeit.

Nur der goldene Glanz, der die goldbraune Glasur überall durchdringt und die Gestalt gleichsam in ein festliches Gewand kleidet, bringt eine andere Wirklichkeit ins Gespräch und bewegt, die Gestalt mit anderen Augen zu betrachten. Denn der Kontrast könnte nicht größer sein: das Erbärmliche wird durch das Erhabene bedeckt und in eine andere Sphäre erhoben.

Damit ist diese nur grob gestaltete Figur auf besondere Weise vollendet worden. Und mitten in der Bewegung des Aufrichtens und Drehens. Im Dazwischen: dem Tod entrissen bereits stehend, am Oberkörper aber noch vom waagrechen Liegen gezeichnet; auf eigenen Beinen und doch noch das Gleichgewicht suchend; materiell noch im Hier, aber vergeistigt nicht mehr hier gebunden.

So könnte die angewinkelte oder gebeugte Haltung auch als Schwingen oder Tanzen gedeutet werden. Als Ausdruck der Freude: Der Herr hat sich meiner erbarmt, mich gerettet, aus der irdischen Endlichkeit in seine himmlische Unendlichkeit geholt! Und sie könnte bei demjenigen, der es am eigenen Leib erfährt wie beim Betrachter Ausdruck des Staunens, der Freude und der Zuversicht sein, dass nach dem schmerzvollen Abnehmen der Lebenskraft von anderer Seite das Leben in unbeschreiblicher Weise und Fülle neu geschenkt bzw. weitergehen wird.

Patrik Scherrer 03.05.2014


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