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Dietlinde Stengelin
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Jesus mit Herz
2009

Acryl, Kohle, Papier, 120 x 80 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Im Herzen gebor(g)en

Auf einer gerundeten roten Fläche liegt ein Kind. Oder besser gesagt es liegt in einer von Leben pulsierenden Herzform. Wie eine vulkanische Eruption aus der Tiefe der Erde ergießt sich das warme Rot zu dieser Herzform. Die Wärme dieses Herzens wird gesteigert durch eine kalte Umgebung, die genauso an eine Winterlandschaft zu erinnern vermag wie an Tageszeitungen, in denen Neuigkeiten verbreitet werden. Denn auf den Papierfragmenten ist in blauen Großbuchstaben wiederholt JESUS zu lesen ist und in schwarzer Zahlen 24.12. Alle Welt soll von seiner Geburt hören, alle sollen seinen Namen kennenlernen.

Der Neugeborene ist diagonal in dieses Herz gebettet. Seine Arme und Beine sind angewinkelt, sein Gesicht ist halb verdeckt durch ein Sternfragment mit einem Schweif, das zugleich eine Krone anzudeuten vermag. Links neben ihm liegen weitere leuchtende Objekt, die möglicherweise Geschenke darstellen.

Das Kind wirkt verloren in diesem Herz. Es sind keine weiteren Menschen zu sehen, nicht einmal Maria oder Josef. Allerdings umgibt es auf der rechten Seite ein grau-weißes Band, das sich an drei Stellen zu Gesichtern ausformt. Zum einen auf der Höhe der Hand mit einer vertikalen und einer horizontalen Andeutung, zum anderen zu seinen Füßen in der Ausformung zu einem schwarzen Gesichts mit Knollennase. Dieses wirbelnde Band hat etwas Festliches an sich. Es könnte die drei Weisen aus dem Osten darstellen, die zum Kind kamen, um ihm zu huldigen. Andererseits zieht sich diese grau-weiße Linie wie eine tragische Spur der Zerrissenheit durch das Herz und erinnert all jene die dem Neugeborenen nach dem Leben trachten. Ein schwarzes „Loch“ links neben dem Kind verstärkt diesen unheilvollen Eindruck durch seine Verbindung mit den dunklen Stellen im Band.

Damit verbindet das ambivalente Band die beiden Bereiche des Hintergrundes, auf denen stilisierte braune Sterne bald zu hellen und dunklen Kreuzen werden. Unmissverständlich weist auch der weiße Judenstern unterhalb des Kindes auf seine Abstammung hin. Wie die Juden im Zweiten Weltkrieg ist dieses Kind gekennzeichnet und – so wie sein Name und das Datum ins Bild eingebracht worden sind – auch abgestempelt: Das ist er, das muss er sein, der neugeborene König der Juden, der Menschensohn, der Sohn Gottes, den der Vater als Kind zu uns Menschen geschickt hat.

Allein, hilflos, ausgesetzt wie unerwünscht liegt das Kind inmitten dieser eisigen Landschaft. Doch das göttliche Kind ist uns ans Herz gelegt. Es ist uns ins Herz gelegt, damit wir ihm Geborgenheit schenken, es schützen und für es sorgen. Wir sollen Jesus in unser Herz aufnehmen, er will in uns und durch uns zur Welt kommen und Licht in der Welt sein.

Die Schriftzeichen wirken wie Nachrichtenfetzen: Heute ist euch der Heiland geboren. Im Herzen sollt ihr in tragen und verehren. Im Herzen sollt ihr ihn wärmen und mit Leben erfüllen, so dass er in euch groß werden kann und ihr durch ihn immer mehr zu Christenmenschen werdet.

Patrik Scherrer / 23.12.2014


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