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Sr. Christamaria Schröter
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Freigegeben , 2010

aus dem Zyklus: "Im Zeichen des Aufstehens", 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand
© Christusbruderschaft • Buch- & Kunstverlag, D 95152 Selbitz, Faltkarte mit Textblatt und Kuvert Nr. 7839
 
Die eigene Lebensmelodie finden

Ein Cello scheint aus einem vage umrissenen Farbraum heraus zu fliegen oder heraus zu springen. Gleichsam aus einer hintergründigen Gebundenheit in eine vordergründige und damit primäre Freiheit hinausgeworfen zu werden. Im Vergleich der beiden Formen scheint das Instrument zudem eine Transformation durchgemacht zu haben, die der Umsetzung einer Idee oder eines Gedankens in eine konkrete Tat gleicht: die Verwandlung von einer Andeutung hin zur Klarheit eines Cellos.

Der Raum, dem es entspringt ist rechteckig und genau so klar gefasst wie das Instrument selbst. Doch das Instrument bricht aus diesem flächig geraden Raum aus. Neu bildet es einen eigenen, geschwungenen Raum, einen Klangraum, der durch die betonte Vertikale und die versetzt wiedergegebenen Instrumentenhälften in die Höhe zieht. Formal wird den vielen feinen waagrechten Linien zudem eine starke, leicht diagonal gesetzte Linie entgegengesetzt, ähnlich wie die Saiten beim Bespielen des Instrumentes durch den Bogen gekreuzt werden, um Töne zu erzeugen.

Es geht bei der Darstellung also nicht um den banalen Rausschmiss eines Instrumentes, bei der die Linien links vom Cello wie in einem Comic sichtbar gemachte Bewegung oder Geschwindigkeit abbilden. Die unbeschriebenen Notenlinien laden vielmehr ein, auf dem Cello seine eigenen Töne zu finden und so lange zu spielen, bis sich daraus eine Melodie ergibt und mit der Zeit ein Lied entsteht.

Ob es verwegen ist, nach der Bedeutung des Hintergrunds und der Identität des Instruments zu fragen? Das intensive Blau bringt unergründliche Tiefe ins Spiel, das warme Rot, das es zu beiden Seiten begleitet, vermag unendliche Liebe anzudeuten. Beide Farben werden gleichsam durch die Öffnung im Rechteck gesehen und finden sich im Instrument abgeschwächt wieder. Zusammen mit den „goldenen“ Notenlinien bilden sie einen doppelten Dreiklang, der in den intensiven Farben Gott als ungeschaffene Schöpferkraft thematisiert, im Cello den Menschen als konkrete Schöpfung. Als Abbild des Schöpfers geschaffen, Wesentliches von ihm beinhaltend, und doch ganz anders. Berufen, mit der erhaltenen Gestalt und den mitgegebenen Talenten das Beste zu machen. Alle seine Saiten und Seiten zu bespielen, die göttliche Farbe stark werden zu lassen … durch die eigene Lebensmelodie.

Das aus der Öffnung im Rechteck hervor und auch seitlich aus dem „Rechteck“ heraustretende Cello deutet Freiheit an. Es kann eigene Wege gehen. Es kann eigene Töne entwickeln und spielen. Doch wie es auf der rechten Kante des „Rechtecks“ gemalt ist, suggeriert es auch, dass die besten Töne oder die schönsten Melodien in Verbindung (religio) mit dem Ursprung oder der Herkunft entstehen.


FREIGEGEBEN

Im Schutzraum Deiner Werkstatt
von Dir in die Hände genommen
angeschaut
gehört immer wieder gehört
zurechtgerückt behutsam gereinigt
gewachsene Fasern erspürt
und in Beziehung gesetzt
den eigenen Ton in jeder Schwingung erkannt
bestätigt
mit Lack versiegelt
die Saiten aufs Neue gespannt
gestimmt
und zum vollen Klingen gebracht

Freigegeben

damit Du mit mir die Noten schreibst:
das Lied meines Lebens
und ich spiele

auf befreitem Grund

(Sr. Christamaria Schröter)


Das Motiv kann als Faltkarte mit Textblatt und Kuvert Nr. 7839 beim Verlag Christusbruderschaft bezogen werden.

Patrik Scherrer / 25.07.2015


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