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Sr. Regina Lehmann
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Im Fluss , 2014

Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, © Sr. Regina Lehmann

 
Endlose Bewegung

In farblichem Dreiklang fließen blaue, grüne und weiße Wellenbewegungen horizontal durch das Bild. Es hält eine Momentaufnehme fest, den Ausschnitt eines größeren Ganzen, von etwas örtlich und zeitlich Grenzenlosem oder Unendlichem. Die sanften Bewegungen erinnern bewegte See, sie eröffnen eine Vogelperspektive in die Weite einer immensen Hügellandschaft mit wechselnden Erhebungen und Niederungen. Darüber hinaus lassen die hellen Bereiche Luftströmungen spüren, den unsichtbaren Wind, der bewegt, kommt und davonzieht.

Im Bild ist ein stetes, wechselseitiges Auf und Ab zu sehen. Die Wasserwogen, Hügel oder Windstöße erzählen vom Atem der Natur, der sich im Wasser, auf dem Land wie in der Luft gleichermaßen in einem Auf und Ab zeigt, das dem Heben und Senken unseres Brustkorbes ähnlich ist.

Dieses unentwegte Auf und Ab mag andeuten, dass Leben bedeutet in Bewegung zu bleiben, nicht stehen bleiben zu können. Es spricht die unbedingte Offenheit für Veränderung an. Und doch geht aus dem Bild keine Unruhe hervor. Denn es sind kraftvolle und gleichmäßige Bewegungen, ruhige und beruhigende. Bei der Betrachtung spürt man auf einmal das eigene Ein- und Ausatmen. Und man merkt, dass man Teil eines unfassbar größeren Ganzen ist, das „genauso“ atmet und in Bewegung ist in seiner Lebendigkeit.

Und noch etwas Wunderbares wohnt diesem Bild inne. Je länger man es betrachtet, umso mehr lässt es einem zwei weitere Tiefendimensionen des Lebens spüren. Die unterste „Welle“ bildet so etwas wie einen klaren, nicht zu trübenden Grundstrom, der in der Tiefe einer jeden Existenz fließt und sie am Leben erhält. Die endlose Weite, die sich nach allen Seiten über das Bild hinaus in unsere Zeit und Welt ergießt, vermag hingegen die zeitliche Größe unseres Lebens anzusprechen. Denn trotz aller normalen körperlichen und geistigen Begrenzungen erscheinen uns das Leben und die Möglichkeiten, die es mit sich bringt, so lange grenzenlos, bis wir ernsthaft daran gehindert werden, diese Möglichkeiten wahrzunehmen.

Doch auch dann werden Lebensbewegung und -qualität nicht gemindert, nur gewandelt. Denn der christliche Glaube lässt über alle irdischen Grenzen, Behinderungen und Tode hinaus hoffen und vertraut darauf, dass das Leben durch die Größe Gottes auch nach dem irdischen Ende seinen Schwung und Atem nicht verliert. Die Verheißung geht sogar weit darüber hinaus: Das Leben wird durch die Liebe Gottes in ganz neue Dimensionen übergeführt. Dimensionen, die wie in unserem Bild, unsere Wahrnehmung und Vorstellungen übersteigen, weil sie sich außerhalb unseres „irdischen Lebensrahmens“ befinden.

Patrik Scherrer / 22.08.2015


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