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Meide Büdel
[Künstlerwebsite]

O.T.
2005

Industriestahl, gerostet, 61,5 x 45 x 2,5 cm, © Meide Büdel


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Ankündigung des Lichts

Zwei baugleiche rechteckige Objekte aus Industriestahl formen zusammen ein Diptychon. Sie unterscheiden sich vor allem in der Zeichnung der 24 vertikalen Lamellen, welche die Rahmen füllen.

Ohne Größenvergleich erinnern die beiden Objekte an Flügeltüren eines Eingangs, eines Schrankes oder an Fensterläden. Man ist versucht, sie aufzustoßen, um zu sehen, was dahinter ist. Oder wenigstens zwischen den Lamellen durchzuspähen. Was für ein Raum sich dahinter wohl öffnen mag? Wird er dunkel oder von Licht erfüllt sein? Wird er klein und geschlossen sein oder groß und die die Weite führen?

Doch die beiden Objekte sind mit den Außenmaßen von 61,5 x 45 cm nicht größer als zwei kleine Schranktüren. Vielleicht sollen sie aber gar nicht als Türelemente aufgefasst werden, sondern vielmehr als zwei Objekttafeln, die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Die Witterungseinflüsse haben sie durch den Rost unterschiedlich gezeichnet. Die Patina lässt an einen lichten Weg denken, die Rostspuren an Wasser, das sich langsam vom vorderen Rand her in die Tiefe der Türen vorgearbeitet hat. (Detail).

Je länger man schaut, umso mehr erinnern die Lamellenstöße an Schriftlinien, auf denen geschrieben wurde. Nicht mit Buchstaben, sondern mit der „Handschrift“ des Rosts. Hell zeichnet sich seine Spur auf dem dunklen Grund ab und erzählt von einer langsamen Verwandlung durch das Wasser, die sich durch das Eindringen und Durchdringen des steten Wassereinfalls vollzogen hat. Die Oberfläche ist bereits hell geworden und kündet von einer anderen Gegenwart – die das ganze Wesen des Objektes verändern wird, wenn es sich dem Einfluss nicht entzieht.

So gesehen können die beiden Objekte Sinnbilder für das Erste und das Zweite Testament sein, entfernt auch für die zwei Tafeln mit den zehn Geboten, die Moses von Gott erhielt. Dann vermögen sie zu erzählen, wie Gottes Wort Licht in das menschliche Dunkel zu bringen vermag (vgl. Ps 119), wie er als Retter allen beisteht, die für sein Wort offen sind (vgl. Ps 19,17-23), es hören und befolgen (Lk 11,28). In dem Sinne mag auch der erste Eindruck einer Doppeltür nicht verkehrt gewesen sein. Wer mit Gott geht, dem öffnen sich aus der Begegnung mit seinem Wort immer wieder Türen und erschließen sich lichte Räume – gerade in ausweglosen Situationen.

„Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf (Jes 9,1b).

Patrik Scherrer / 29.11.2015


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