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Alois Neuhold
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Leere Schreine, leuchtende Becher , 2014

80 unterschiedliche Gefäße, Becher, Schalen, Kelche, Schüsseln, Statuetteln, Ziborien und Tabernakelchen, bemalt mit Acryl, © Alois Neuhold
 
Leuchtende Becher – leere Schreine

Ein ganzes "Heer" leuchtender Becher stellt Alois Neuhold hin: Unbenützbar, leer, weil deren Inhalt das Füllbare nicht ausfüllen kann, ja darf. Zu viel, zu gut, zu heilig! Es sind Gefäße für die Nützbarkeit einer himmlischen Hochzeit. Im Ensemble sind es trotzdem Öffnungen für das Nichgreifbare und Hoffnung für ein Getränk unstillbaren Genusses. Das Bilderverbot ist das Zentrum dieser Behälter und doch ist die Inkarnation des Lichtes in der Farbe seine dialektische Durchkreuzung.

„Wir halten diesen Schatz in irdenen Gefäßen“ (2 Kor 4,7), in Erdzerbrechlichkrügen ...

Der Künstler selbst:

Unnützbarkeitsgefäße, Nichtbefüllbarbecher, Tabernakelchen, ein ganzes „Heer“ davon, achtzig, zehn mal acht - der achte Schöpfungstag, ein Bechermeer, Nutzlosschreine, ein Becherblumenfeld des Nichtverwertbaren, des Nichtverwendbaren, Blühbehälter, die nur dem Blühen dienen und dem bloßen Sein, dem verweilend Sein, dem empfangend Sein, farblichtschattend, offen, Empfängnistat. Ein Anflug vom Möglichkeitsparadies vielleicht …

Leer sind die Becher, Schalen und Schreine, leer müssen sie bleiben, frei von menschlichen Anfüllungen. Nur das Licht, der Schatten, Tag und Nacht, Luft, der Atem, Farben, Regenbogenoffenbarungen, die Leere wohnt in ihnen. Lichtbienen nippen daran.

„Nehmet hin und trinket!“ Das Licht ist Leib geworden.

Schlürft den Lichtwein, esst vom Schattenbrot, tanzt die Farbekstasen, trinkt Atemweite, haucht Luftgedichte, preist die Schöpfungswiese, tretet ein in die Hallen, in den Festsaal einer himmlischen Hochzeit! Feiert Auferstehung!

(Das Grab ist leer.)

Entrümpelt die Häuser, die Keller und Kapellen, die Warenkörbe, die Überfüllregale, die Übersattideen! Entrümpelt auch die Seelenstübchen und die Zuinnerstkämmerlein! Werft weg die Niederdruckgewichte, die Gottverbildungsbilder, die vielen Gott-und Weltverstellungsdogmen, das Moralingedudel, das immer-noch-Mehr-und-nie-Genug! Werft sie weg in weiten Bögen aus den Büchern, aus den Köpfen, aus den Schulen! Zieht aus die Uniformen, die Waffenröcke und all die anderen Unterdrückungs- und Machtbezeugungskittel! Verbrennt die Wortgewehre, die süßen Sonntagsreden, die Abertonnen Hass-und Aufhetzschriften! Räumt weg die ausgelatschten Glaubenssätze!

Öffnet die Fensterläden, die Auswegtüren, die verriegelten Ostertruhen, die Taborschreine, die Herzverschlüsse, die vernagelten Einzwängkästen! Befreit den Geist vom Seichtgewäsch, vom Gedankenmüll, vom Allerweltsgeplapper! Schüttet aus die Endlosjammertöpfe! Schafft endlich Raum und Leere, Entfaltungsräume, Begegnungsorte, Lichterfahrungsplätze, weite Dome, Erlösungshorizonte, denn die „Fülle des Lebens“ will Einzug halten! Der Esel steht bereit. Tempelreinigung ist angesagt.

Fassbare Gefäße des Unfassbaren. Ein Abendmahl ohne Brot und Wein.

Der Kelch ist leer. Das Blut verschüttet. Im Tabernakel keine Hostie. –

Gefäß werden, einfach Gefäß sein für das Ankommende, für das Licht,

für das Ein und Alles. Advent.

Das Licht ist Leib geworden in den Farben.



Patrik Scherrer / 13.01.2016


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