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Helmut Kästl
[Künstlerwebsite]

Schöpfungstag
1998

Harzöl auf Leinwand,
130 x 90 cm
Grosse Kunstausstellung 1998, Haus der Kunst, München, Katalog Nr. 379
© Helmut Kästl

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Ewiger Schöpfungstag

Eine große Stille schwebt über dem ganz in Blautönen gemalten Bild. Hier wird uns in mystischer Sprache ein Geschehen offenbart, das in geheimnisvoller Entfernung liegt. Durch die blaue Farbe spricht alles von Gott und dem Wirken seines Geistes. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ... und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ (Gen 1,1-2) Ehrfurchtsvoll schafft der Künstler durch die schlichte symbolische Farb- und Formenwahl einen visuellen Andachtsraum.

Dominiert wird das Bild in der Mitte durch eine Senkrechte, die das Oben mit dem Unten verbindet. Oben wird in drei waagrechten Schichtungen wolkenartig der Himmel angedeutet, symbolisch aber die Dreifaltigkeit dargestellt, die sich in ihrer „Mitte“ lichtvoll entfaltet. Dem gegenüber liegt unten ein breites waagrechtes Element, das zum Betrachter hin dunkler wird und ehrfurchtsvollen Abstand zum gewaltigen Geschehen der Schöpfung schafft. Es kommt mir vor, als wolle der Künstler damit unsere Rolle als Zuschauer unterstreichen, in der wir eigentlich nur mit dem Psalmisten staunend beten können:
 
„Herr, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. ...
Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet;
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.
Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,
die Wasser standen über den Bergen.
Sie wichen vor deinem Drohen zurück,
sie flohen vor der Stimme deines Donners.
Sie stiegen die Berge hinauf
sie flossen hinab in die Täler,
an den Ort, den du für sie bestimmt hast.“

(Ps 104,1-2.5-8)

Genau dies wird uns im Mittelfeld offenbart, der Blick auf das göttliche Wirken ist frei. Wir sehen den Himmel geöffnet, Gott in seiner lichten Dreiecksform der Erde zugeneigt. Gott gießt sich aus der Fülle seines Wesens aus (Jes 55,10-11), teilt sich uns mit. Gleichsam als Antwort hat der Künstler auf Gottes Mitteilung die ansteigenden Hügel und das sich dadurch bildende Tal gestaltet. Ebenbildlich, stellvertretend für alles Geschaffene auf Erden. Denn wie auf den Bergen spiegelt sich das weiße göttliche Licht - seine „Unterschrift“ – auf allen Kreaturen, nicht zuletzt in uns Menschen.

Patrik Scherrer / 10.01.2004


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