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Maria Kiess
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Auferstehungskreuz für den Wohnraum , 2002

Fusingglas, bemalt, sandgestrahlt, 21 x 21 cm, © Maria Kiess
 
Vom Licht ergriffen

In gelbes Licht gehüllt zeigt sich dem Betrachter ein mehr- schichtiges Geschehen auf dieser kleinen quadratischen Glasplatte.

Zentral changiert ein lateinisches Kreuz mit einer menschlichen Gestalt. Weder Beine noch Arme sind zu erkennen. Der Oberkörper ist lediglich durch eine breitere Strichführung zu erahnen. Eigentlich weist nur der von einem rötlichen Heiligenschein umgebene Kopf auf den Menschen hin, der durch seinen Erlösungstod untrennbar mit dem Kreuz verbunden wurde: Jesus!

Bei diesem Kreuz spricht nichts von den Leiden, die er durchmachen musste. Farben und Formen wie das alles durchdringende Licht sprechen vielmehr von der Überwindung des Kreuzes: der Auferstehung. Das vorherrschende Gelb kündet von der Verherrlichung Jesu (vgl. Joh 17,1) durch seinen Vater. Jesus ist das Licht der Welt, das alle Menschen erleuchtet und das nun durch seinen Kreuzestod offenbar geworden ist (vgl. Joh 8,12; 1,9).

Die ganze Darstellung ist weiter in die breite Form eines Taukreuzes (T) eingebettet, welches als Zeichen der von Gott Auserwählten und Beschützten (Ez 9,3-6) gesehen werden darf. Jesus ist der geliebte Sohn, an dem der Vater Gefallen gefunden hat. (vgl. Mt 3,17). Und Petrus verkündet in seiner Pfingstpredigt: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt ..., er ist durch die rechte Hand Gottes erhöht worden.“ (Apg 2,32-33). Dieses Taukreuz erscheint mir wie ein Thron, von dem aus Jesus die Weisheit Gottes verkündet. Von Kindheit an hatte seine Weisheit zugenommen (vgl. Lk 2,52) und in ihm als Gekreuzigter offenbart sich „Gottes Kraft und Weisheit.“ (1 Kor 1,23-24)

Auch die untere Hälfte der Mandorla, die den Oberkörper von Jesus umfängt, weist über die Kreuzigung hinaus auf die Auferstehung. Der Gekreuzigte wird von einer Macht, die sich „vom Himmel her“ voller Erbarmen (blaue und rote Farbe) über ihn neigt, ergriffen und in sie aufgenommen. Die Mandorla ist hier als eine der archetypischen Formen des Weiblichen zu verstehen, als Hinweis, dass Jesus aus dem Geschehen der Kreuzigung heraus zu neuem, himmlischen Leben "wiedergeboren“ wurde.

Hat die Künstlerin vielleicht deshalb den Leib Jesu nur strichartig dargestellt? Weil nicht seine irdische Form für uns wichtig sind, sondern was dieser Leib durchgemacht hat, welche Worte und Erfahrungen sich in diesen Leib eingeschrieben haben? Insofern kann der Anblick dieses Auferstehungskreuzes dem Gläubigen frohe Erinnerung sein, dass er in der Taufe auf den Tod Jesu begraben, mit Christus aber auch durch Gott zu neuem Leben in seinem Geist auferweckt ist (vgl. Röm 6,4). Dieses Glasbild mag still daran erinnern, dass Himmel und Erde sich in jedem Menschen berühren und durchdringen – und dass es an uns ist, Gott für sein Geschenk der rettenden Zuneigung zu antworten: wie eine aufbrechende Blüte oder ein in den Himmel wachsender Baum!

Patrik Scherrer / 16.04.2005


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