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Andreas Kuhnlein
[Künstlerwebsite]

Auszeit
2004

Eiche, 90 x 58 cm
Foto: Erwino Nitz
© Andreas Kuhnlein

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Auszeit

Gelassen sitzt der Mensch auf dem Boden, bzw. auf dem kleinen Sockel, auf den er sich wie auf eine Insel zurückgezogen hat. Seine Beine hat er angewinkelt. Mit dem linken Arm stützt er sich auf der Sockelkante ab, während seine rechte Hand locker auf dem linken Knie aufliegt. Gedankenverloren schweift sein Blick in die Ferne.

Was wohl in ihm vorgeht? Der Mensch strahlt ein Ruhe aus, eine Gelassenheit und seinem Gesichtsausdruck nach auch eine Zufriedenheit, die tief in ihm verankert sind. Äußerlich gesehen scheinen ihm einschneidende Lebensbedingungen arg zugesetzt haben. Seine an sich schöne Gestalt weist tiefe Einkerbungen auf, die seinen Leib derart zerfurchen, dass sie manchmal zu erschreckend durchlöchernden Wundmalen ausarten. Es ist die Arbeit des Künstlers, die ihn so zugerichtet hat. Sie kann aber durchaus für seine eigene Arbeit stehen, die ihm derart zusetzt und seinen Körper langsam aber sicher zerstört.

Hat dieser Mensch sich deshalb eine Auszeit genommen? – Es sieht so aus, dass er sich vom Alltag abgesetzt auf eine Zeitinsel geflüchtet hat, um auf sein Leben zurückzublicken, ja, es gleichsam überblicken zu können. Das Leben hat ihm hart zugesetzt, konnte aber sein Wesen nicht angreifen. Den Brandspuren nach zu schließen ist dieser Mensch auch durchs Feuer gegangen – außer einigen schwarzen Stellen konnte es ihm aber nichts anhaben!

Er scheint nicht nur aus hartem Holz geschnitzt zu sein, sondern auch aus einer Kraftquelle zu leben, die ihm hilft, den oft zerstörerischen Anforderungen aus seinem Lebensumfeld widerstehen und psychisch unbeschadet und gelassen aus ihnen herausgehen zu können. Darin erinnert er an Daniel, der zusammen mit zwei Gefährten vom König Nebukadnezzar wegen seines Glaubens an Gott ins Feuer geworfen wurde. Doch Gott stieg im Engel zu ihnen in den Ofen hinab und beschützte sie, worauf sie einen Lobgesang auf Gott anstimmten (Dan 3).

Die Skulptur mahnt stetig, eine Auszeit zu nehmen, um mit Ruhe und Abstand das Erlebte zu verarbeiten. Vielleicht dürfen wir dann mit Staunen entdecken, dass Gott bei uns war und seine innere Gegenwart uns half, innerlich heil aus schweren Situationen hervorzugehen. Und vielleicht stimmen wir dann in den Lobpreis der drei Männer im Ofen oder anderer Menschen ein, die Gott wunderbar in ihrem Leben erfahren haben: „Gepriesen bist du, Herr, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hoch gelobt und verherrlicht in Ewigkeit.“ (Dan 3,52)

Patrik Scherrer 15.10.2005


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