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Werner Mally
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Kreuz für ein Büro
2005

Pappelholz, weiß lasiert
33 x 33 x 18 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Beschützend

Absolut gleichmäßig zeigt sich die Skulptur dem Betrachter. In einer geometrisch strengen Formen-sprache hat der Künstler eine verblüffend einfache und schöne Skulptur geschaffen. Auf einer quadratischen Basis hat er vier Giebel aus dem Holz herausgearbeitet, welche zusammen ein Dach ergeben, welches an ein Turmdach oder ein Zelt erinnert. Auf dem First dieses Daches zeichnet sich eine schlichte Kreuzlinie ab.

Die Kreuzlinie dieser Skulptur sticht nicht als erstes in die Augen. Sie ist nicht als eigenständiges Element heraus-gearbeitet, sondern entsteht aus der Zuspitzung der an ein Dach erinnernden Flächen. Die Kreuzlinie ist so unauffällig in die Skulptur integriert, dass sie als Heilszeichen wahrscheinlich nur dem Gläubigen etwas zu sagen vermag und ihn mit dem Kreuztod und der Auferstehung seines Herrn Jesus Christus verbindet.

Wenn das Kreuz auch nicht sofort ersichtlich ist, ragt die Kreuzlinie doch mit einer großen Präsenz in den Raum hinein. Durch die Basis und das Pappelholz ist sie erdverbunden, doch durch die Dachform hebt es sich vom tragenden Untergrund ab. Als äußerste Erscheinung des in die Weite des Raumes ragenden Daches wohnt diesem Kreuz etwas Körperloses und Geistiges inne und wird gerade dadurch zur Brücke in den „Himmel“ oder anders gesagt, in die unsichtbare Welt Gottes, welche die Schöpfung dieser Welt überwölbt und durchdringt.

Die Dachform ergibt sich auch aus dem Umstand, dass der Raum zwischen Basis und Giebel herausgesägt worden ist. Dadurch ist ein Leerraum, ein unbesetzter, freier Raum unter dem kreuzförmigen Dach entstanden: Ein geistiger Schutzraum unter oder hinter dem Kreuz (je nach dem, ob das Kreuz auf dem Schreibtisch aufliegt oder an der Wand hängt), der vom Licht durchflutet einen Zufluchtsort bildet. Wer sich unter den Schutz Gottes und damit auch des Kreuzes begibt, wird dort Geborgenheit und Lebensraum finden, die ihn für den Alltag stärken. Die Skulptur ist einerseits Antwort auf die Sehnsucht nach Nähe zu Gott, wie sie im Psalm 61,5 zum Ausdruck kommt: „In deinem Zelt möchte ich Gast sein auf ewig, mich bergen im Schutz deiner Flügel“, andererseits verbindet sie mit dem stärkenden Wort aus Psalm 27,5: „Denn er birgt mich in seinem Haus am Tag des Unheils; er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, ...“

Die Skulptur lädt somit diskret zur geistigen Einkehr im „Büro“-Alltag ein und verbindet den Gläubigen mit Gott, der ihm innere Freiheit und Weite im Denken und Handeln zu schenken vermag. Der Freiraum unter dem Zeltdach lädt aber auch ganz konkret ein, Gott niedergeschriebene Anliegen oder Fotos von Menschen „unterzuschieben“, die der Hilfe und des Schutzes bedürfen, damit auch sie Seinen Beistand und Seine Liebe erfahren.

Patrik Scherrer / 19.11.2005


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