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Celia Mendoza
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Kleines Diptychon , 2001

Eitempera auf Leinwand, 2 x 20 x 20 cm, © Celia Mendoza
 
Dunkelheit und Licht

Zwei Quadrate, kleinformatig auf der großen Zimmerwand. Wie zwei Augen schauen sie mich an, fordern sie mich zur Auseinandersetzung mit ihnen heraus.

Beide Flächen sind in der Mitte senkrecht unterteilt, zum anderen Bild hin dunkler, gegen außen heller. Beim linken Bild hellt sich das Tiefdunkel- grün nur ganz leicht auf der einen Seite auf, während beim rechten Bild mit einem Sonnengelb ein kräftiger Kontrast gesetzt ist. Zweifelsohne ist dieses Diptychon eine abstrakte Malerei und will nichts Gegenständliches darstellen. Die Pinselführung und der unregelmäßige Farbauftrag lassen jedoch Annäherungen und individuelle Deutungen zu.

Das dunklere linke Bild fasziniert mich durch die schwache Aufhellung in der linken Bildhälfte. Obwohl so dunkel, bricht bei diesem „Schwarz“ das Licht durch und macht es zu einem dunklen Grün. Hinter allem Dunklen muss da ein Licht sein. Sogar ein starkes Licht, wenn es die Dunkelheit zu durchbrechen vermag. Es könnte das Morgenlicht sein, auf das die Seele mehr wartet als die Wächter der Stadt (vgl. Ps 130,6)
Das Bild lässt mich daran denken, dass Gott ein verborgener Gott ist, dass er immer anders sein wird als ich ihn mir vorstelle. Er ist der ganz Andere, der Unfassbare. Ich spüre meine Sehnsucht, Konkretes zu erfassen, doch das Einzige, was mir bleibt ist die Erfahrung, dass Er stärker ist als alles, was mein Leben dunkel und schwarz machen will. Und es bleibt mir die Gewissheit, dass ich Ihn nach dem Dunkel meines Lebens im Lichte seiner Herrlichkeit sehen werde und auch daran teilhaben darf (vgl. Röm 8,17; 2 Thess 2,14).

Das rechte Bild ist spiegelbildlich zum linken aufgebaut, doch insgesamt heller. Ich finde die wilden Pinselstriche sind in der dunklen Bildhälfte wunderschön, weil sie das Gelb über die wahrscheinlich ursprünglich tiefgrüne Fläche gebracht haben. Hier scheint das Dunkle nicht von hinten durchbrochen zu sein, sondern durch Übermalung aufgehellt worden zu sein und einen goldenen Lichtglanz erhalten zu haben. Das Gelb ist stark - und lebendig. Wer will, kann in den dunkleren Partien zwei stehende oder schreitende Personen erkennen, die ganz im Licht stehen, vielleicht auch ganz Licht sind. Ob sie schon der Herrlichkeit Gottes teilhaftig geworden sind?

Bei Celia Mendoza`s abstrakter Malerei scheinen die Übergänge wichtig zu sein. Das Dunkel, welches das Licht zurückdrängt und das Licht, welches das Dunkel überdeckt. Die beiden Bilder erinnern mich deswegen an den Abend mit dem entschwindenden Tageslicht und den Morgen mit dem alles überflutenden Sonnenlicht. Sie könnten ein Gleichnis meiner Seele sein, wo auf dunkle, kalte, fast hoffnungslose Zeiten immer wieder warme Zeiten der Erfüllung und der Liebe folgen.

Patrik Scherrer / 21.08.2004


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