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Celia Mendoza
[Künstlerwebsite]

o. T.
2003

Eitempera auf Leinwand
100 x 100 cm
© Celia Mendoza


[weitere Werke (1)]
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Namenlos?

Die Kunstwerke mit dem Hinweis o. T. machen mich immer etwas ratlos. Worum ging es dem Künstler, wenn er dem Kunstwerk keinen Titel geben kann? Bei einem solchen Bild ohne Namen kommt es mir vor, als hätte der Künstler seine urmenschliche Aufgabe, seiner Umwelt Namen zu geben (vgl. Gen 2,20) nicht wahrgenommen.

Und dennoch hat er etwas zum Ausdruck gebracht, was ihn bewegt hat. Vielleicht wollte er, ähnlich wie Gott, als Schöpfer eines Werkes uns Betrachtern die Aufgabe nicht wegnehmen, dem Bild einen ganz persönlichen Titel, bzw. Namen zu geben. „o. T.“ verhindert demzufolge, dass nachfolgende Betrachter sich keine Gedanken mehr machen und das Bild einfach mit dem Lesen des Namens und einem bestätigenden Vergleich abhaken. Sind nicht wir Menschen und alle Geschöpfe Gottes solche Kunstwerke „o.T.“, die vom Betrachter entdeckt werden wollen?

Da sind Lichtdurchbrüche im schwarzen wie im dunkelgelben Feld, die das Bild in der ganzen Höhe queren. Der linke Spalt führt durch die Verengungen am Bildrand und das Licht im Bildinnern wie durch eine Schlucht in die Tiefe. Beim rechten Lichtdurchbruch scheint das Licht von oben zu kommen, von außerhalb des Bildes. Es fließt in die Farbe hinein und sammelt sich unten wieder, eine Leuchtspur hinterlassend.

Das Bild lebt von diesen schmalen Verbindungen. Zu den Seitenrändern hin, wie haltgebend, zwei schwarze Streifen. Zwischen dem Gelb und dem Schwarz ein transparentes hellblaues Band, mit dem linken Lichtdurchbruch und einem kleineren Durchblick am unteren Bildrand korrespondierend. Bis auf die kleine gelbe Fläche ist alles in der Vertikalen gemalt, lebt alles von dieser senkrechten Verbindung zwischen Oben und Unten und Unten und Oben. Und in dieser Beziehung wird Tiefe geschenkt.

Mir kommt es vor, als stünden all diese senkrechten Streifen, Spalten, Bänder und Flächen für unsere Beziehung zu Gott. Und weil diese Beziehung da ist, mal als undurchdringliche schwarze Wand des Unverständnisses und der Verlassenheit, mal als schmaler Lichtspalt der Hoffnung, mal als goldenes Tor, das sich dem Glück öffnet ..., erhält unser Leben Tiefe und Sinn.

Weil dieses Bild ein Bild meines Lebens sein könnte, wie es gerade aus der Beziehung mit Gott lebt, wäre jede Bezeichnung dafür unzulänglich. Ist nicht das Leben an sich und erst recht die Beziehung zu Gott so wunderbar, dass einem die Worte fehlen und man nur noch staunen kann?

Patrik Scherrer / 18.09.2004


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