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Cornelia Patschorke
[Künstlerwebsite]

„Er kam als Licht in die Welt“
2003

Acryl und Sand auf Leinwand, 90 x 90 cm

Foto und ©:
Cornelia Patschorke

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Lichteinbruch

Dunkelblau und Gelb bestimmen dieses quadratische Bild. Die leuchtend gelbe Fläche gleicht durch ihre Ausdehnungen einer Säule, welche die beiden blauen Flächen voneinander trennt. Dem Bildrand entlang finden sich kleine dunkelgelbe Flächen.

Mich fasziniert an diesem Bild der Lichteinbruch in den Bildraum, der durch seine quadratische Form durchaus Symbol für die Welt sein kann. Von oben scheint sich das Licht in diese vormals dunkle Welt zu ergießen.

Als erstes kommt mir die Schöpfungsgeschichte in den Sinn: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde ... Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis, und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. (Gen 1,1-5a)

Dieses Zurückdrängen der Dunkelheit durch die Stärke des Lichtes prägt meines Erachtens das Bild. Kommt die Kraft vielleicht von der Menschengestalt, die sich im unteren Teil der Lichtsäule schemenhaft abzeichnet? Von der aufrecht stehenden Lichtgestalt?

So kommt mir als zweites Jesus in den Sinn, der von sich selbst sagte: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Joh 8,14) Aus dem Bild ist zu spüren, was Johannes im Prolog seines Evangeliums schrieb: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (1,5) Und etwas weiter spricht er das an, was die Künstlerin auch mit dem quadratischen Format ausdrückte: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (1,9)

Durch die Menschwerdung seines Sohnes erschafft Gott die Schöpfung gleichsam ein zweites Mal. Diesmal von innen, nicht materiell, sondern geistig und mit der Kraft des Herzens und der Liebe.

Wie Feuer will Seine Liebe in uns brennen (Lk 12,49), warm und hell in der Dunkelheit der Anonymität, der Ignoranz und aller Kaltherzigkeit. Sind die dunkelgelben „Feuer“ am unteren Bildrand vielleicht Platzhalter für alle, die „Feuer und Flamme“ für die Botschaft Jesu geworden sind und ihm nachfolgen? Heißt es doch: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,14)

Das bedeutet, dass wir am Licht Jesu Christi teilhaben werden. Wer sich dem „Licht der Welt“ öffnet, in dem wird Jesus in dem Maße leuchten und die Lebensfülle erfahren lassen, wie er oder sie sich Ihm zu öffnen vermag. Wahrscheinlich wird er oder sie nie so hell wie Er leuchten, aber auch die Finsternis verdrängend und durch das Licht neuen Raum für die Entfaltung des Lebens schaffend – die Erschaffung der Welt fortsetzend.

Patrik Scherrer / 27.11.2004


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