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Michael Blum
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Anbetender Engel
2003

Acryl auf Leinwand, 23 kar. Blattvergoldet, 80 x 140 cm
© Michael Blum

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Anbetender Engel

Linear heben sich über den blauen Farbflächen menschliche Körperteile ab: ein Gesicht, Hände, Füße, Knie. Auffallend die uns vollflächig zugewandten Hände. Gebieten sie Halt, wehren sie ab oder sind sie offen für eine andere Wirklichkeit?

Die menschenähnliche Gestalt ist schwer zu fassen. Vom Kopf ist nur das Gesicht sichtbar, die Beine sind nur angedeutet, der Oberkörper besteht hauptsächlich aus Flügeln. Bei diesem geistigen Wesen scheint die Botschaft wichtiger zu sein als seine Gestalt. Diese ist ganz in den Farben des Himmels gemalt, allerdings auch von einem zarten Rosa durchdrungen, das von oben her durch den Engel hindurchzufließen scheint. Widerspiegelt dieses Rosa zusammen mit dem Weiß und dem Gold die Herrlichkeit Gottes, die sich ihm vom oberen Bildrand, symbolisiert durch einen Halbkreis, zuneigt? Leuchtet nicht in des Engels Hand- flächen der gleiche Lichtglanz auf wie im Kreissegment, das für Gott steht?

Dieser Engel kommt von Gott. Er ist von Gott durchdrungen und beseelt, ganz auf Ihn ausgerichtet. Auf dem linken Bein kniend, erweist er Gott die Ehre. Seine in Orantenhaltung erhobenen Hände weisen darauf hin, dass er betet, das in seinen Händen spiegelnde Licht, dass er Gott anbetet. Er könnte dies in stiller Anbetung tun, im liebenden Zusammensein mit dem, der ihn liebt. Die Symbole von Sonne und Mond auf seinen Flügeln lassen aber auch an Psalm 8 denken:

Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst,
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:
All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Vor Gott knien und beten. Die offenen Hände des Engels gebieten uns beim ersten Anblick innezuhalten. „Halt an, wo rennst du hin? scheint er zu sagen. Dann laden die Hände mit den mit Augen vergleichbaren Lichtern zu neuem, bewusstem Sehen und Staunen der Schöpfung ein. Wie wunderbar doch Gott alles geschaffen hat. Und so führen uns des Engels erhobene Hände wie seine ganze Haltung in eine tiefe Dankbarkeit, die immer wieder Gottes unendliche Liebe lobpreist: Im stillen Gedenken, mit eigenen Worten oder den Worten eines anderen.

Patrik Scherrer / 12.06.2004


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