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Dietrich Stalmann

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Verkündigung , 2003

Acryl-/Mixed-Media-Technik auf SW-Fotographie, 114 x 171 cm, © Dietrich Stalmann
 
Verkündigung

„Freue dich Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Lk 1,30-33)

Die Botschaft des Engels an Maria sprengt alles menschlich begreifbare. Kein Wunder fragt Maria zurück: Wie soll das geschehen? Dietrich Stalmann will mit seiner Malerei dieses unbegreifliche und damit geheimnisvolle Geschehen aufgreifen. Seine leuchtenden Farben und die ungegenständlichen Formen bringen die göttliche Gnade zum Ausdruck, das Wirken des Heiligen Geistes.

Als Grundlage seines Bildes verwendet der Künstler die SW- Fotografie einer Verkündigungs- Ikone aus dem 17. Jahrhundert. Davon sind nur noch die Köpfe von Maria (mit Heiligenschein) und dem Engel deutlich zu erkennen. Das Wesentliche des alten Gemäldes ist beibehalten worden, in der Tradition der Kirche respektiert. Alles andere ist unter der Neuinterpretation von Dietrich Stalmann verschwunden.

Auffallend ist die Anordnung der Farben. Blau, Weiß und Braun unten, Gelb und Grün oben. Dann größere lockere Elemente von links oben vor dem Engel durch, die vor Maria kleiner werden und festere Formen annehmen. Eine von der schwarzen Ecke ausgehende Bewegung ist somit feststellbar, die unsere Augen zu Maria führt und dort auf ihrem Schoss ruhen lässt. Wir erfahren die Botschaft des Engels.

Durch das Absenken der blauen, weißen und brauen Farbflächen in die untere Bildhälfte wird auch die Kraft Gottes spürbar, die über Maria kommend in ihre Welt einbricht. Wie in einer mystischen Schau werden wir Zeugen, wie Gottes Geist im gelben Licht zu Maria kommt (große gelbe Fläche) und sie durch ihr „Ja, mir geschehe nach deinem Wort“ zur „Lichtträgerin“ (kleine gelbe Fläche), Gottesgebärerin und -mutter wird. Zärtlichkeit spricht aus dieser Begegnung, in der Gott auf so einmalige und segensreiche Weise einen Menschen berührt hat.

Meine Augen bleiben unersättlich in dieser nicht enden wollenden Berührung – Gott will auch in mir Mensch werden –, bis sie vom gelben Feuerlicht wieder nach oben geführt werden, wo sie an zwei weiteren gelben Flächen hängen bleiben. Ihre schmalen länglichen Formen erinnern mich an das Kreuz, an das Ende des irdischen Lebens von Jesus. In seiner gelb leuchtenden Form spricht es allerdings auch von der Auferstehung, dem ewigen Leben bei Gott. Das tut gut.

Umgekehrt gesehen können die drei gelben Flächen auch als Symbol für die Dreifaltigkeit gedeutet werden. Vater und Sohn sich gegenüber im Dialog, von ihnen ausgehend der Heilige Geist. – Die „Verkündigung“ verkündet uns, dass Gott ununterbrochen sich in alle Menschenherzen eingießt, die für ihn offen sind.

Patrik Scherrer / 20.03.2004


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