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Raimer Jochims
[Künstlerwebsite]

März
1996

Acryl auf Spanplatte, 67,5 x 45,5 x 3 cm
Foto: Weishaupt
© Raimer Jochims

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Bereit um …

Dieses Kunstwerk fällt wahrscheinlich zuerst durch seine ungewöhnliche Form auf. Auf einer geraden Basis stehend, führen die beiden Seiten in sanftem Bogen nach oben, um dort ein waagrechtes Kreissegment zu tragen. Die besondere Gestaltung ist durch die Verwendung einer Spanplatte möglich, deren Ränder gesägt oder gebrochen wurden.

Die äußere Form lässt an eine Vase denken, ihr grünlicher Farbton zusätzlich an patinierte Bronze. Doch hat der Künstler dieses Gefäß von außen oder von innen dargestellt? ... Denn das leuchtende Blau irritiert. Wie Wasser liegt es am Boden des Gefäßes, über einen Dunstschleier sich schnell im weitenden Innenraum verflüchtigend.

In seiner Mitte fällt eine feine rote Farbspur auf. Wie eine rote Sonne schimmert sie durch den aufsteigenden Nebel hindurch. Wie eine Wunde gibt sie dem Vasenkörper zusätzliche Tiefe. Wie aus einer Quelle ergießt sich von ihr aus kaum wahrnehmbar etwas ins „Wasser“.

... mystische Assoziationen, die auch am oberen Abschluss des Gefäßes nicht aufhören. Der scharfe runde Rand deutet ein ganzes, unsichtbares Rund an, das gleichsam auf der Vase aufliegt. Ist die Kreisform ein Symbol für Gott, so könnte der Künstler mit der Vasenform unsere menschliche Kondition ansprechen, für das Transzendentale und Geistige offene, empfängliche Wesen zu sein.

In meinen Augen gibt dieses Kunstwerk eine Erfahrung wieder, die Paulus in wunderbar dichten und treffenden Worten in einem Brief an die Gläubigen in Korinth zusammenfasst:
 
„Wir verkünden nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen, so wird deutlich, dass das Übermaß an Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, wir tragen das Todesleiden Jesu an  unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.“ (1 Kor 4,5-10)

Patrik Scherrer 18.06.2005


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