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Jörg Länger
[Künstlerwebsite]

“Resurrectio“
2003

Werkgruppe Protagonisten“, Linolschnitt, Leinöl, Wachs und weitere Mischtechnik auf Papier, 33 x 33 cm
Kat. No. 03195,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2013/2014

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Auferstehung - Ostern

„Lumen Christi” ruft der Diakon beim Einzug der Osterkerze freudig dreimal dem im der dunklen Kirche wartenden Volk zu, worauf dieses mit dem Ruf antwortet: “Deo Gratias”!

In den Auferstehungsbildern von Jörg Länger dringt viel von dieser Liturgie und damit vom Geist der Auferstehung durch. Das von hinten durchscheinende Licht lässt die von Natur aus grauen Bilder in warmen Gelbtönen aufleuchten. Die verwandelnde Kraft der Auferstehung Christi vollzieht sich hier symbolisch im Material, eng verbunden mit dem Wachs, das ja wesentlich zur Osterkerze als Symbolträger für den auferstandenen Christus beiträgt.

Anschaulich zeigt uns der Künstler mit diesem Werk, dass wir durch die Auferstehung Christi die Welt in einem neuen Licht sehen – einem Licht, das die Welt und das Leben auf ganz neue Weise wahrnimmt – in neuen, verwandelten Farben sieht.

Was liturgisch an drei aufeinanderfolgenden Tagen gefeiert wird, schafft Jörg Länger mit großer Ausdruckskraft in einem Bild dazustellen: Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag – Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung.

Im unteren Drittel des Bildes ist Christus in der Kreuzigung nach dem Meister des Psalters Robert de Isle (vor 1339) dargestellt.  Eine waagrechte Linie erinnert an das Kreuz, trennt aber auch den unteren Bildbereich ab, als würde er zu einer anderen „Welt“ gehören, der Unterwelt. Unter der Herrschaft des Todes hat der menschliche Leib keinen Bestand. Der Körper scheint sich aufzulösen. Die Wachstropfen suggerieren aber andererseits ein Auseinanderfallen des Reiches des Todes – der Tod hat seinen Stachel verloren, wie es im Kirchenlied heißt!

Darüber in einer wunderbaren Kreisform zwei Gestalten, von denen die Obere aus dem berühmten Auferstehungsbild des Isenheimer Altars (um 1512-16) stammt. Wie bei Matthias Grünewald verschmilzt die Christusgestalt mit dem Licht. Hier wird das Bildwort Jesu „Ich bin das Licht der Welt“ verdeutlicht und unsere Hoffnung einleuchtender: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12).

Zwischen Tod und Auferstehung hat Jörg Länger die Jesusgestalt aus der Grablegung Christi (um 1438-43) von Fra Angelico platziert. Die drei übereinander angeordneten Jesus-Gestalten folgen dem Ablauf der drei österlichen Tage, dem Triduum pascale, und lenken die Augen in eine Aufwärtsbewegung. Die ganz unterschiedlichen künstlerischen Mittel wollen uns Betrachtende in das Ostergeheimnis hineinnehmen, uns etwas von seiner verwandelnden und das ganze Leben erneuernden Kraft erfahren lassen – ähnlich wie die Liturgie der Osternacht.

Patrik Scherrer 10.04.2004


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